12. Sonn­tag im Jah­res­kreis (20.06.)

(Ijob 38, 1.8–11; 2 Kor 5, 14–17; Mk 4, 35–41)

Der Meis­ter ver­sam­mel­te sei­ne Jün­ger und frag­te sie: “Wo ist der An­fang des Ge­be­tes?” Der ers­te ant­wor­te­te: “In der Not. Denn wenn ich Not emp­fin­de, dann wen­de ich mich wie von selbst an Gott.” Der zwei­te ant­wor­te­te: “Im Ju­bel. Denn wenn ich ju­be­le, dann hebt sich mir die See­le aus dem en­gen Ge­häu­se mei­ner Ängs­te und Sor­gen und schwingt sich auf zu Gott.” Der drit­te: “In der Stil­le. Denn wenn al­les in mir schwei­gend ge­wor­den ist, dann kann Gott spre­chen.” Der vier­te: “Im Stam­meln des Kin­des, wenn ich wie­der wer­de wie ein Kind, wenn ich mich nicht schä­me, vor Gott zu stam­meln.” Der Meis­ter ant­wor­te­te: “Ihr habt al­le gut ge­ant­wor­tet. Aber es gibt noch ei­nen An­fang, und der ist frü­her als al­le je­ne, die ihr ge­nannt habt. Das Ge­bet fängt an bei Gott selbst. Er fängt an, nicht wir.”

Klaus Hemmerle