(Jer 20, 10–13; Röm 5, 12–15; Mt 10, 26–33)
Liebe Schwestern und Brüder,
irgendwie war das Eingangslied aus dem Gotteslob (Gl 465) fast schon eine Erklärung zu den biblischen Texten des Sonntages. Bleiben wir dabei mal bei der ersten Lesung und dem Evangelium, die ja immer einen Bezug zueinander haben sollen. Die zweite Lesung des Apostels Paulus an die Römer ist in seinem Gedankengang etwas merkwürdig und schwer verständlich. Paulus müsste eigentlich mal einen Kurs in Exegese belegen. Dann würde er vermutlich so nicht mehr schreiben können.
Aber bleiben wir bei der ersten Lesung und dem Evangelium. Viel Leid und Unheil entstehen ja in unserer Welt und in unserem Leben auch deswegen, weil wir Erwartungen haben, die leider manchmal etwas realitätsfremd sind. Viele betrachten ihren Glauben gerne auch als eine Art Versicherungspolice, in der Gott sozusagen verspricht, alles Leid und alle Not von einem fernzuhalten. Wenn es dann doch im Leben nicht so läuft, wie erwartet, dann sind wir einigermaßen von Gott enttäuscht.
Doch hat Gott nirgendwo versprochen, dass uns alles Leid erspart bleibt. Noch liefert er eine schlüssige Antwort auf die vielen Fragen, die das Leben so manchmal an uns stellt.
Die Propheten und Prophetinnen waren und sind keine Hellseher, sondern Menschen, die Ungerechtigkeiten beim Namen nennen mussten und müssen und diese auch als das bezeichnen, was sie im religiösen Zusammenhang sind, nämlich Ausdruck eines tiefen Unglaubens. Das kam natürlich nicht gut an, so dass viele Propheten, einschließlich Jesus, dafür ihr Leben lassen mussten. Jeremia ging es da nicht anders. Und keineswegs war es ihm egal, solcherart Verfolgung ausgesetzt zu sein. Da kommt man manchmal schnell an seine Grenzen, auch in Bezug auf die Gottesbeziehung und den eigenen Glauben, den man in Hoch-zeiten doch so felsenfest hielt.
Jeremia hält trotzdem an Gott fest, (woran soll er sich auch sonst festhalten), und erhofft Gerechtigkeit vor dem Tod. Früher hat man ja manchmal so getan, als ginge es nur um das ewige Leben und das irdische hätte keinerlei Bedeutung. Aber da hatte man ganz vergessen, auf Jesus zu schauen, der alles unternahm, um schon vor dem ewigen Leben, ein wenig Himmel auf Erden zu bereiten, indem er seine Liebe verschwendete, besonders für die, die so liebesbedürftig waren und nichts hatten, um sich selbst zu rechtfertigen, mit der Konsequenz, dass die Selbstgerechtigkeit doch oft ziemlich unerträglich war und ist.
Dreimal wird uns heute im Evangelium zugerufen: „Fürchtet euch nicht!“, und das ist auch wahrlich vonnöten. Denn Angst macht uns unfrei und führt zu Taten, die auch Angst machen.
Jesus sagt uns die Fürsorge Gottes zu, nicht die Befreiung von aller Last und Not. Und gebe Gott, dass wir in aller Not Menschen zur Seite haben, die sozusagen ein Sakrament seiner nahen Liebe sind. Mögen wir es auch selber immer wieder sein.
Darauf lasst uns vertrauen und auch darauf, dass uns Jesus eben nicht verleugnet, sollte uns das Glauben und Vertrauen in aller Not manchmal so schwer fallen.
Lasst uns Zeugen sein, nicht für einen zweifelsfreien und unangefochtenen Glauben, sondern für einen Glauben, der trotz aller Zweifel und Fragen in den Stürmen des Lebens standhält, weil Gott uns hält und uns leise ins Herzohr flüstert: „Fürchte dich nicht!“ Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
