(Jes 42, 1–7; Lk 4, 14–21)
Liebe Schwestern und Brüder,
da wir heute unsere Jugendlichen zu Gast haben, die gestern in Oranienburg gefirmt wurden, haben wir zwei Texte ausgesucht, die ganz gut zum Thema Firmung passen. Sie drücken sehr schön aus, worin unsere Jugendlichen bestärkt werden sollen. Es geht in diesen beiden Texten nicht so sehr um Bekenntnisse, sondern um eine Beschreibung dessen, wie der Geist, den Gott schenkt, seine Wirkung entfaltet. Beide Texten haben mit dem Propheten Jesaja zu tun, der, wie alle Propheten, im Namen Gottes sprach und handelte. Er macht deutlich, dass man Gottes Geist nicht zuerst an bestimmten Frömmigkeitsformen erkennen kann, auch nicht in den dicken Büchern der Dogmatik und Moral, noch an der Kenntnis von Katechismen, sondern an seiner heilsamen Wirkung.
In der Synagoge zu Nazareth zitiert Jesus aus der Buchrolle, die man ihm gereicht hat, den Propheten Jesaja und betont, dass sich dieses Schriftwort heute erfüllt hätte.
Denn der von Gottes Geist erfüllte Mensch hält keine Moralpredigten und macht den Menschen nicht die Hölle heiß, nein es ist ein Mensch, der vor allem gut und Gutes und Heilsames tut.
Er geht nicht zuerst in die Schaltzentren politischer und religiöser Macht, nicht zu jenen, die so sehr davon überzeugt sind, vor Gott gerecht zu sein, sondern er geht zu jenen, die keine Lobby haben, denen vor allem täglich schlechte Nachrichten um die Ohren fliegen, die von lauten und lärmenden Leuten überbrüllt und rundgemacht werden.
Es sind jene, die das Gefühl haben, nicht mehr weiter zu können, im täglichen Hamsterrad jeglicher Anforderungen gefangen zu sein und die nicht mehr durchsehen bei den Vielen, die behaupten, im Recht und in der Wahrheit zu sein.
Da, wo Gottes Geist Menschen ergreift und sie erfüllt, und das sind sicher nicht und vor allem nicht nur religiöse Menschen, da sind sie heilsam unterwegs und verändern Lebensumstände, die nur noch als bedrückend empfunden werden. Diese geisterfüllten Menschen also fordern nicht mehr Gebet, nicht mehr religiöse Leistung, sondern sie leben eine Liebe, die nicht nur bei Worten bleibt, sondern die tatkräftig und heilsam Veränderung bewirkt.
Da erfüllt sich immer das Schriftwort, da ist Gott präsent und wirksam, auch ohne religiöse Zusammenhänge.
Solcherart geistbegabte Menschen sind vielfach unterwegs, auch ohne Religion, und sie machen ein Geheimnis präsent und erfahrbar, das Befreiung will, innerlich wie äußerlich und ein Leben, das lebenswert und heilvoll ist. Dazu werden die Jugendlichen bei der Firmung gestärkt, damit sie mit allen Geisterfüllten eine Welt aufbauen helfen, die menschlicher und liebevoller ist.
Lasst uns nicht nur abgrenzend unterwegs sein, sondern als Menschen, die das Gemeinsame suchen. Wo das geschieht, erfüllt sich das, was Gott immer schon wollte und in Ewigkeit will. Da hat Gott seinen Geist auf Menschen gelegt.
Dafür lasst uns Danke sagen und beten: komm, heilige Geist. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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