(Gen 18, 1–15; Kol 1, 24–28; Lk 10, 38–42)
Liebe Schwestern und Brüder,
man kann es drehen und wenden, wie man will: irgendwie kommt Marta im Evangelium scheinbar schlecht weg. Und alle, die sich bemühen, Gästen ein schönes Mahl zu bereiten, werden Marta verstehen und Verständnis für sie haben. Denn ein gemeinsames Essen ist ja mehr, als schnell eine Pizza in den Ofen zu schieben. Das hat geradezu einen ernsten, ja religiösen Charakter.
Da bemühen sich Abraham und Sara in der 1. Lesung schon recht aufwändig, um ihren Gästen ein würdiges Mahl zu bereiten. Das Altarbild unserer Kirche erinnert ja an diese biblische Gegebenheit. Und die Geschichte selber sieht in den drei Männern die Nähe und Gegenwart Gottes und natürlich nicht die Dreifaltigkeit, wie es später nicht ganz unproblematisch hineininterpretiert wurde.
Gäste zu bewirten ist also mehr, als sie nur zu sättigen. Es ist Begegnung, es ist ein Zeichen für eine tiefere Verbundenheit, die man freilich nicht mit jedem teilt.
Also, was soll jetzt an dem Bemühen Martas falsch sein? Vermutlich erst einmal gar nix. Auch Jesus hat gewusst und gelebt, dass miteinander Mahl halten, mehr ist, als nur gemeinsam den Hunger zu stillen. Aber manchmal kann es für Menschen notwendig sein, andere Prioritäten zu setzen, als jene, die von einem erwartet werden. Ich meine, vielleicht war es Jesus selber wichtig, mit Maria zu reden, in ihr jemanden zu haben, der ihm sein Ohr und sein Herz, seine Aufmerksamkeit und Zuwendung schenkt. Schließlich war Jesus ein Mensch, der wusste, was bald auf ihn zukommt.
Aber Maria ist durchaus mutig, weil sie in diesem Moment gängige Rollenklischees durchbricht. Das zu Füßen zu sitzen, ist meistens eine Sache männlicher Jünger und Schüler und eigentlich des Hausherrn. Maria wird hier also ausdrücklich zur Schülerin und Nachfolgerin Jesu. Das ist freilich Marta bei all ihrem kulinarischem Bemühen auch. Aber das trifft eben gerade nicht auch auf Maria zu. Für Maria ist das Bei-Jesus-sein und ihm zuhören in diesem Moment das Notwendige und der für sie gute Teil, so wie für Marta gerade die Vorbereitung für das gemeinsame Mahl.
Jeder muss der Stimme seines Herzens folgen, auch wenn das Erwartungen und Konventionen gerade nicht entspricht.
Jesus nimmt also Maria in Schutz, nicht gegen Marta, sondern für das, was gerade für Maria dran ist.
Wir alle machen uns immer wieder viele Sorgen und Mühen, die auch berechtigt sind. Das weiß Jesus auch. Aber vielleicht sollten wir in ihnen nicht ganz gefangen sein. Vielleicht sollten wir uns einfach auch öfter fragen, ob wir bei allem Sorgen und Mühen noch unserer Seele, unserer inneren Bestimmung gerecht werden. Und niemand muss die Prioritäten setzen, die ich gerade setze. Aber es ist schön, wenn wir uns begegnen können, beim gemeinsamen Essen, das nicht einfach vom Himmel fällt, wie auch beim wirklichen Zuhören.
Schlussendlich feiern wir im gemeinsamen Mahl eine tiefere Verbindung, die uns den Himmel nahebringt, Leib und Seele stärkt und das Herz aller Teilnehmenden erfreut.
Das wünsche ich uns im Namen von Abraham und Sara, von Marta und Maria und von Jesus aus ganzem Herzen. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
