(1 Kön 3, 5.7–12; Röm 8, 28–30; Mt 13, 44–46)
Liebe Schwestern und Brüder,
selig die, denen Gott im Traum durch die Seele schwebt, wie heute in der ersten Lesung dem König Salomo oder dem Jakob mit der Himmelsleiter oder den „Berufsträumer“ Josef, den Mann Mariens. Seine Träume waren wegweisend im wahrsten Sinne des Wortes. Hätte er nicht auf seine Träume gehört, wäre Manches nicht so gut ausgegangen.
Es ist löblich, was König Salomo heute im Traum erbittet: nämlich ein hörendes Herz. Aber in Wirklichkeit hatte er oft ein hartes Herz, das nicht bereit war, zu hören.
Dennoch wünschte ich, es würden viele nicht nur im Traum um einen hörendes Herz bitten. Das Zuhören scheint oft eine Tugend zu sein, die nicht besonders ausgeprägt ist, vielleicht auch deswegen, weil es eine Rechthabereisucht gibt oder die Einbildung, der allerklügste Mensch zu sein, den es je auf Erden gegeben hat.
Aber warum sollte ich um ein hörendes Herz bitten? Sicher nicht nur, um einen Beitrag für eine friedvollere Welt zu leisten, auch nicht nur, um ein wertschätzender und liebevoller Mensch zu sein. Vielleicht ist es die Bitte nach Sinn im Leben, die Suche nach Gott, das Bemühen um einen Weg für ein menschlicheres Miteinander, für Solidarität, für ein Leben, das nicht nur den Geldwert zum obersten Wert erklärt, sondern den Wert wahren, menschlichen Miteinanders.
Vielleicht könnte ein lebendiger Glaube dazu einen schönen Beitrag leisten, nicht jener Glaube, der in einem religiösen Leistungsprinzip eingesperrt ist und darin verkümmert, sondern ein Glaube, der als Freiheit, als Weite, als Schatz erfahren wird.
Die einen suchen danach, andere nicht. Jesus meinte im Evangelium, dass das Himmelreich, also Gottes Nähe, in jedem Fall als so beglückend erfahren werden soll, dass alles bisher Wichtige geradezu unwichtig wird. Das ist geradezu eine Umkehr all dessen, was vorher so lebensnotwendig erschien.
Beachten wir bitte dabei, dass hier nicht behauptet wird, dass wir finden, wenn wir vorher lassen. Das Lassen kommt im Evangelium nachher, nämlich wegen der geschenkten Freude und dem unverhofft erfahrenen Glück, etwas Besonderes, Schönes, gefunden zu haben.
Vielleicht sind wir manchmal lange auf der Suche danach. Vielleicht haben wir die Suche schon fast aufgegeben. Eines jedoch ist sicher: erzwungen werden kann es nicht, nicht erbetet, nicht ermeditiert, nicht durch eine besondere Methode oder was auch immer. Das Einzige, was vielleicht notwendig ist, ist ein hörendes Herz, meinetwegen auch ein leeres, oft ein verletztes, ein suchendes, ein sehnendes.
Gott möchte jedenfalls immer ein Schatz sein, eine kostbare Perle, die uns so froh macht, dass sie uns trägt, befreit und vielleicht unser altes Leben umkrempelt. Eine solch‘ frohmachende Erfahrung wünsche ich uns allen und jene Antwort, die einfach nur „Danke“ heißt. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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