(Koh 1,2; 2,21–23; Kol 3, 1–5.9–11; Lk 12, 13–21)
Liebe Schwestern und Brüder,
nun, keiner muss jetzt Angst haben, dass jetzt ein allgemeiner Aufruf zur Armut kommt. Armut an sich hat keinen Wert. Und ohne eine gewisse materielle Absicherung lässt es sich nicht gut leben. Ein leeres Konto ist nicht gerade beruhigend. Das Leben kostet leider eben auch einiges an Geld. Aber darum geht es in den heutigen, biblischen Texten nicht. Es geht einfach um die Frage, was den tiefsten Sinn meines Lebens ausmacht, was es mir ermöglicht, innerlich zur Ruhe zu kommen und zu größtmöglichen Frieden zu finden.
Ehrlich gesagt, frage ich mich, ob der Satz aus der 2. Lesung dazu ein vernünftiger Beitrag ist, wenn es da heißt: „Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische!“ (Kol 3,2). Das war und ist für manche eine leichte Flucht aus der Verantwortlichkeit für das Irdische, so, als hätte alles Irdische, angesichts des Himmlischen, eh keinen Wert. Aber so einfach ist das nicht und vermutlich auch nicht gemeint. Denn was ist denn „oben“ und was ist „irdisch“? Da sind eher Lebenseinstellungen damit gemeint.
Das Denken des reichen Mannes im Evangelium ist insofern „irdisch“, weil er seine ganze Hoffnung auf seinen Besitz setzt und so tut, als gäbe es kein Ende des irdischen Lebens vor der Zeit. Vermutlich denke ja wir alle irgendwie, dass der Tod weit weg ist und uns jetzt gar nicht betrifft. Aber das ist eben so nicht der Fall. Wie schnell kann das Leben zu Ende sein und dann sind „volle Scheunen“, ehrlich gesagt, wirklich Windhauch. Aber auch der Reichtum an Wissen, an Erfahrung, an Lebensjahren, an Können und Erfolg nutzen am Ende nix, wenn der Himmel ruft.
Wenn wir also unseren Sinn auf das richten, was „oben“ ist, dann müssen wir uns fragen, was „oben“ meint, was hier „unten“ Sinn macht. Sinn macht natürlich eine gewisse Vorsorge für uns, für unsere Kinder, für zukünftige Generationen. Sinn macht also alles, wo wir mit Liebe investieren, nicht gleich für den Himmel, sondern für Jetzt.
Wenn wir wieder auf Jesus blicken, dann hat auch er nicht einfach nach „oben“ gezeigt. Er hat hier „unten“ Sinn gestiftet, indem er heilte an Leib und Seele, indem er Schuld vergab und neue Gemeinschaft stiftete.
In all‘ diesen liebevollen und heilsamen Sinnstiftungen hat er die Nähe des „Oben“ angesagt, das „Reich Gottes“, also Gott selbst.
Den Sinn auf das, was „oben“ ist, zu richten, bedeutet, dem Irdischen mit aller Kraft und viel Liebe Sinn zu geben. Und dieser Sinn ist nicht nur für mich, weil er dann zu schnell auch Unsinn werden kann. Nein, dieser Sinn stiftet Gemeinschaft, Beziehungen, auf die ich mich verlassen kann. Dazu muss man manchmal auch Geld in die Hand nehmen und nicht nur horten oder zum Fenster rauswerfen.
Dann kann es sein, dass der Tod zwar nicht einfach verschwindet, aber es kann sein, dass mitten auf Erden Himmel erfahrbar wird, der die Hoffnung in uns nährt, dass der endgültige Himmel alle unvollendeten, irdischen Himmelsversuche zur Vollendung bringen wird. Und das macht doch dann wirklich Sinn. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
