(1 Kön 19, 9ab.11b-13; Röm 9, 1–5; Mt 14, 22–33)
Liebe Schwestern und Brüder,
während sich Jesus im Evangelium ganz bewusst eine Auszeit für sich allein auf einem Berg nimmt, auch, um zu beten, ist das Alleinsein des Elias in der ersten Lesung nicht ganz freiwillig.
Man muss wissen, dass er in seinem Übereifer am Berg Karmel nach einem fragwürdigen Götterwettstreit 400 Baalspriester hinrichten ließ. Das hatte zur Folge, dass ihm Königin Isebel, nicht ohne Berechtigung, nach dem Leben trachtete. Daraufhin geriet er in Angst und floh in die Wüste. Dort wünschte er sich den Tod, den er 400 Baalspriestern leicht zugemutet hatte.
In diesem Alleinsein berührt ihn ein Gott, der nicht im Lärm und mit Pauken und Trompeten, und schon gar nicht gewaltsam, daherkommt. Wie oft vergessen selbsternannte Gotteskämpfer, dass ihr Gottesbild und Gottesverständnis nichts mit dem lebendigen Gott zu tun haben, sondern einzig und allein mit ihrem eigenen Herzen, das mehr mit Gewalt, als mit Liebe erfüllt ist.
Mit dieser sicher schmerzhaften Selbsterkenntnis kommt Elias zum Gottesberg Horeb und erfährt Gottes Gegenwart in einem sanften, leisen Säuseln. Das stille Alleinsein des Elias in der Wüste bekehrt ihn zu einem Gottesverständnis, das nicht brachial gewalttätig, sondern leise, zart und sanft ist.
Das sollten sich alle Gotteseiferer ins Stammbuch ihres Herzens schreiben lassen.
Vielleicht haben ja auch deswegen so viele Angst vor dem stillen Alleinsein, weil sie dann das leise Weinen eines Gottes hören würden, der geliebt werden will und Liebe will, auch für einen selber. Denn ein wenig mehr Zartheit, Zuwendung und Barmherzigkeit brauchen wir vor allem immer wieder für uns selber.
Anders als in der ersten Lesung geschieht im Evangelium Gotteserfahrung für die Jünger im Sturm. Es ist müßig, darüber nachzudenken, ob Jesus wirklich über das Wasser gehen konnte und ausgerechnet dies ein Beweis seiner Göttlichkeit sein sollte. Natürlich konnte er nicht über das Wasser gehen, genauso wenig wie Petrus.
Aber was tun, wenn einem das Wasser bis zum Halse reicht und wir in den Stürmen und Gegenwinden des Lebens allen Mut verlieren? Eben nicht, wie bei Petrus, auf das starren, was uns ängstigt, sondern auf den schauen, der eben über dem steht, worin wir selbst unterzugehen drohen. In unserer Angst sehen wir oft nur noch Gespenster und hören nicht das heilsame und rettende Wort: „Habt Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht!“(Mt 14, 27).
Genau darum geht es immer: um mehr Vertrauen. Denn das Gegenteil von Glauben ist eben nicht der Zweifel, sondern die Angst, in der unser Leben unterzugehen droht. Aber selbst diese Angst kann eine begnadete sein, weil ich auch darin seine heilsame und rettende Nähe erfahren kann.
Nein, wir sind keine Weltmeister des Vertrauens. Wir sind lieber Weltmeister der Rechtgläubigkeit, notfalls mit Gewalt. Das sind dann Bilder unseres unerlösten Herzens und haben nichts mit dem Gottesgeheimnis zu tun.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Jesus in seinem stillen Alleinsein wieder mehr zu sich selber fand und sich in dem stillen, zarten, liebevollen Geheimnis geborgen und getragen wusste. Das gab er dann wieder heilsam an jene weiter, die sich genau nach einem solchen GrundDU des Lebens sehnten.
Diese Erfahrung wünsche ich uns in den stillen, schönen Momenten des Lebens, aber vor allem in den Stürmen und Gegenwinden unseres Lebens. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
https://gotteswort-weiblich.annette-jantzen.de/19-sonntag-im-jahreskreis-a-zur-ersten-lesung
