(Jes 11, 1–10; Röm 15, 4–9; Mt 3, 1–12)
Liebe Schwestern und Brüder,
die Worte, die Jesaja heute in der ersten Lesung findet, sind sehr tröstlich und offenbaren ein Gottesbild, das der Erfahrung Jesu in nichts nachsteht. Vor allem aber sind es Worte, die dem Herzen und der Seele gut tun in Zeiten, wo viele Worte geradezu das Gegenteil sind. Auch scheint die mediale Welt versessen zu sein auf das, was uns beunruhigt und eher Ängste verstärkt, als sie ein wenig einzuhegen.
Als ich 1999 für drei Monate in der Wüste Sinai war, hatte ich nur eine kleine Bibel als Lektüre dabei und fand gerade bei Jesaja Worte, die mich zutiefst berührten und trösteten. Und ich hatte das Gefühl, dass andere Worte mich so nicht berühren und trösten könnten.
Ja, ein Baumstumpf lässt nicht mehr viel Grund zur Hoffnung. Aber genau da, an dieser scheinbar hoffnungslosen Stelle, ereignet sich etwas unerwartet Hoffnungsvolles. Wer nur noch mit Erwartbarem rechnet, hat nicht jene Hoffnung, die hier wie ein Reis mitten aus der Hoffnungslosigkeit empor wächst.
Da, wo alle Welt nur nach dem Augenschein richtet und nach dem Hörensagen entscheidet, da, wo Menschen darunter gebeugt und schier zerbrochen werden, da ist einer, der einem so anblickt wie keiner, einer, der eben alles sieht und der versteht, warum manches so ist, wie es ist.
Da haben nicht mehr die das sagen, die mit ihren Billionen nicht wissen, wohin damit, sondern die, die immer diejenigen sind, die arm dran sind.
Jesaja entwirft eine Zukunft des Miteinanders, wo nicht jeder ein Wolf, Panther oder Löwe dem anderen sein will, weil er sich durchsetzen muss, um sich wichtig zu fühlen. Nein, wo das Land wirklich von der Erkenntnis des Herrn erfüllt ist, da gibt es ein wirklich geschwisterliches Miteinander, gewaltfreie Kommunikation und auch keine tödliche Aggression mehr. Was für ein Himmel auf Erden, wo man nichts Böses mehr tut und kein Verbrechen mehr geschieht! Oder ist das schon der endgültige Himmel? In jedem Fall ist es eine tröstliche Vision, die jetzt schon wirken und verändern soll.
Auch Johannes der Täufer hat letztlich dieses Anliegen und tauft als sichtbares Zeichen dafür, dass man die Visionen des Jesaja ein bisschen wenigstens zu leben versuchen möchte. Grund dafür ist hier eben auch, dass das Himmelreich nahe ist, als eine Umschreibung für die Gegenwart Gottes, die heilsam ist und eine Umkehr der Werte bedeutet, die sonst so selbstverständlich waren.
Nicht wir machen was, damit der Herr kommt, sondern sie will etwas bewirken, indem wir uns auf den Weg des Herrn einlassen und ihre Straßen ebenen, heißt, uns für das öffnen, was Gott schaffen möchte Damit das alles gelingen kann, reicht Wasser zum Zeichen der Umkehr nicht mehr aus. Da ist eine Taufe nötig, die wieder Gott selber schenkt. Es ist eine Taufe mit Heiligem Geist und mit Feuer, das in unseren Herzen brennen soll, als Feuer der Liebe und der brennenden Gegenwart Gottes.
„Bereitet den Weg des Herrn. Macht gerade seine Straßen.“ Diese zitierten Worte aus Jesaja mögen in unser Herz fallen und es dafür öffnen, was Gott in unseren Herzen und Leben verändern will. Und das geht in jene Richtung, von der schon Jesaja wie in der ersten Lesung geträumt hat. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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