(Jes 25, 6–8; 1 Petr 1, 3–9; Joh 20, 19–31)
Liebe Schwestern und Brüder,
wir haben heute auch eine 1. Lesung aus dem 1. Testament gehört. Im normalen Lektionar gibt es in der Osterzeit keine einzige 1. Lesung aus dem 1. Testament. Da hören wir nur die Apostelgeschichte und oft Petrus predigen, der nicht selten, seine Brüder, die „Israeliten“, ausschimpft, weil sie Jesus gekreuzigt und nicht als Sohn Gottes, als Messias, erkannt haben.
Wenn man Menschen gewinnen will, dann sollte man sie nicht zuerst ausschimpfen, sondern anerkennen, dass sie auf ihre Weise, und nicht unbedingt schlechter als eifrige Missionare, unterwegs sind.
Außerdem müssen wir bedenken, dass Petrus und die anderen Jüngerinnen und Jünger immer noch zur selben Glaubensgemeinschaft der Juden gehörten.
Die erste Lesung war also aus dem Buch Jesaja und drückte auch sehr schön die Hoffnung aus, das es ein wundervolles Leben danach mit Gott gibt. Und so gibt es viele Stellen dieser Hoffnung, besonders auch in den Psalmen.
Es ist ja nicht so, als ob Gott erst mit Jesus auf die Idee gekommen wäre, Auferweckung zu installieren, damit die Menschen Hoffnung hätten. Die Auferweckung Jesu bestärkt jene Hoffnung, die doch letztendlich schon im ernstgenommenen Glauben an Gott begründet ist.
Dass das Vertrauen besonders in dunklen und schwierigen Zeiten nicht gerade unsere Stärke ist, auch davon singt die Bibel viele Lieder.
Den heiligen Thomas gleich als „ungläubig“ zu bezeichnen, nur weil er eine Woche später von Jesus berührt wurde, ist schon wieder eine subtile Verdrängung dessen, dass niemands Osterglaube eine eigene Leistung war und ist. Offensichtlich hat ja dieser Glaube, dieses Vertrauen, auch etwas mit Wunden zu tun. Gibt es irgendeinen Menschen, der unverwundet durchs Leben kommt? Vor allem für jene, die wie Jesus verrückte Liebende sind, wird es keinesfalls ohne Wunden abgehen. Wir sind ja in der Regel bemüht, immer so zu tun, als ginge es uns fast immer großartig. Leider verbindet uns dies nicht besonders.
Da, wo ich ein Verwundeter sein darf, wo wir uns im geschützten Raum der Liebe mit unseren Wunden begegnen dürfen, da entstehen oft tiefe, menschliche und erfüllende Beziehungen.
Thomas muss keine Wunden mehr berühren, weil Jesus schon längst seine berührt und etwas geheilt hat. Jesus tadelt Thomas auch nicht, sondern schenkt ihm, wie allen anderen auch, jenen Glauben, der wirklich trägt und verwandelt.
Liebe und das Vertrauen sind tatsächlich da tief genug, wo sie sich nicht in Luft auflösen, wenn man scheinbar keine Liebe und Gottes Nähe sieht und spürt. Selig sind wirklich jene, die dann noch vertrauen können. Bitten wir also Gott um den menschlichen Glauben Jesu, der gerungen hat und erlitten wurde und standhält im Leben, wie im Sterben.
Heiliger Thomas, begleite uns in unserem Bemühen um Glauben. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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