(Jes 49, 3.5–6; 1 Kor 1, 1–3; Joh 1, 29–34)
Liebe Schwestern und Brüder,
„seht, dass Lamm Gottes, dass die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ So spricht Johannes der Täufer von Jesus und so kennen wir es aus der Eucharistiefeier, kurz vor der Kommunion
Dieser Gedanke ist noch ganz verwurzelt in einer sogenannten Opfertheologie, die uns heute völlig fremd geworden ist.
Alle religiöse Praxis lässt ja immer Rückschlüsse darauf zu, welchem Gottesbild wir folgen. In der Antike hat man Göttern Tiere geopfert, um sie gnädig zu stimmen. Im Judentum gab es das Ritual des sogenannten Sündenbockes, auf dem man symbolisch alle Schuld auflud und ihn dann in die Wüste jagte, wo er jämmerlich zugrunde ging. Leider gibt es dieses Ritual immer noch, wenn man einen Sündenbock sucht, um vielleicht eigenes Versagen zu kaschieren.
Erinnern wir uns noch einmal an Weihnachten und daran was für ein Gottesbild uns Gott ans Herz legen wollte. Wir behaupten ja, dass Gott in diesem Kind, namens Jesus, Mensch geworden ist. Unfassbar ist, zumindest für theologische und philosophische Ohren, dass hier ein Gott ist, der bedürftig, verletzlich und liebesbedürftig ist. Wir sind ja immer wieder darum bemüht, unsere Wichtigkeit zu pflegen und so zu tun, als bräuchten wir eigentlich niemanden. Zudem fällt auf, das es eine gewisse Gnadenlosigkeit und Unbarmherzigkeit gibt, die ja besonders jenen eigen ist, die so gerne Sündenböcke brauchen.
Aber was will ein Gott als Kind mit Tieropfern und Sündenböcken, mit denen wir uns reinzuwaschen glauben und mit denen wir Gott zeigen, dass wir der Nummer mit dem Kind und dem Lamm Gottes nicht wirklich trauen. Wie verletzlich ist das denn für jemanden, der gerade seine Liebe zeigen wollte! Bekanntlich sagen ja die Dinge, die Menschen anderen unterstellen mehr über sie selber, als über andere aus.
Gott braucht unsere Tieropfer nicht, auch nicht unsere pathologische Sündenangst. Nicht er ist es, der uns das Leben nicht gönnt, sondern wir gönnen es uns oft nicht einander und auch selbst nicht. Gott lässt sich in Jesus lieber selber opfern und zerbrechen, als andere zu opfern und zu zerbrechen. Das Kind in der Krippe will uns ermutigen, zu unserer Zerbrechlichkeit und Liebesbedürftigkeit zu stehen, weil sie von dem Mantel der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zärtlich geschützt wird. Und ein Lamm sagt auch nichts anderes.
Wie gesagt, nicht erst seit Weihnachten, sondern eigentlich schon immer: Gott braucht nicht unsere Opfer, sondern unsere Liebe und unser Vertrauen. Und seien wir doch so lieb und machen wir aus dem Kind nicht ein Monster, dass Gott beleidigt und verletzt und nur Angst und Schrecken einjagt. Lasst uns doch Zeugen sein für ein Geheimnis, dass so menschlich und liebenswert erschienen ist. Lasst es uns sein, nicht nur in großen Worten, sondern vor allem in alltäglichen Taten, und seien sie noch so klein. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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