(Jes 66, 18–21; Hebr 12, 5–7.11–13; Lk 13, 22–30)
Liebe Schwestern und Brüder,
der Evangelist Lukas gilt ja als Evangelist der Barmherzigkeit, vor allem wegen der Gleichnisse vom barmherzigen Vater und dem suchenden Hirten nach seinem verlorenen Schaf. Aber schon die letzten Sonntage waren die Evangelien doch recht irritierend, so auch heute wieder.
Da wird gedroht und ausgeschlossen. Da gibt es dann keine Barmherzigkeit mehr. In den Evangelien erscheint Jesus auch nicht nur als der Liebevolle. Immer wieder findet er harte Worte gegen die, die sich einbilden, was Besseres zu sein und darum andere verachten zu können. Vielleicht verbirgt sich ja hinter der Frage, ob nur wenige gerettet werden, auch solch eine Haltung. Natürlich gehört der Fragesteller zu den wenigen, die gerettet werden und erfreut sich möglicherweise daran, dass viele nicht durch die enge Tür gelangen.
Möglicherweise ist die Frage nach der Rettung nicht unsere heute. Vielleicht fragen wir eher nach dem Sinn des Lebens, danach, ob wir eine gute Zukunft haben können etc. Die enge Tür bedeutet auch, dass wir eine individuelle Entscheidung treffen müssen und uns nicht einfach in der Masse verstecken und sicherfühlen können. Es mag ja sogar sein, dass manche, die noch in die Kirche gehen, denken, dass sie die letzten, anständigen Christen sind. Aber das Kriterium dafür ist nicht der Kirchgang, sondern ob ich Unrecht getan habe oder nicht.
Wenn Jesus also etwas tut, dann sägt er an Stühlen der Selbstsicherheit und Selbstgerechtigkeit, die selten Menschen zueinander bringen. Aber genau das war sein Anliegen: Menschen zueinander und zu Gott zu bringen, Gemeinschaft zu stiften und neuen Lebenssinn und Lebensmut zu schenken. Das war im übrigen auch schon das Anliegen der Propheten im 1. Testament. Denen ging es auch nicht nur um Gesetze, Gebote und Verbote, sondern um Liebe und Barmherzigkeit in Gottes Namen.
Komischerweise ist dieser Geist manchmal mehr bei jenen ausgeprägt, die nicht zu den sog. „Auserwählten“ gehören, die sich gerne etwas zu schnell auf Thronen der Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit setzen.
Vielleicht sollen also die strengen Worte daran rütteln und helfen, dass man die Liebe und die Menschlichkeit nicht verliert, die Gott am Allerwichtigsten sind und waren und bleiben.
Wie hieß es am Ende des Evangeliums heute? „Und sie werden von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen, also aus aller Herren Länder, und werden im Reiche Gottes zu Tische sitzen“ (Lk 13, 29). Da fragt niemand mehr nach dem bloßen Taufschein oder nach der „richtigen“ Religion oder Konfession. Da wird nur auf das Herz geschaut und darauf, wie groß es ist. Und siehe, da haben Letzte ein größeres als Erste und scheinbar Erste werden dann die Letzten sein. Aber alle dürfen im Reich Gottes zu Tische sitzen. Und das ist doch am Ende eine wirklich frohe Botschaft, die uns Gott ins Herz legt und für die wir Gott wirklich nur von Herzen Danke sagen können. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
