(Hab 1, 2–3; 2, 2–4; 2 Tim 1, 6–8.13–14; Lk 17, 5–10)
Liebe Schwestern und Brüder,
die Apostel bitten den Herrn im Evangelium also: „Stärke unseren Glauben“. Was für ein Glaube mag da gemeint sein? Einen Katechismus gab es da noch nicht und Dogmen waren da auch noch nicht formuliert. Also kann es keine Art intellektueller Glaube gewesen sein, der vor allem weiß und zweifelsfrei ist oder sein will.
Die Jüngerinnen und Jünger haben schon erfahren, dass Jesus, ihr Meister, vor allem den Glauben im Herzen verortet hat, das unsere Gedanken, Worte und Werke prägen möchte. Damit hat er nicht etwas ganz Neues gemacht, so, als wäre das noch nie da gewesen. Nein, alle Prophetinnen und Propheten vor ihm hatten im Namen Gottes nichts anderes zu sagen. Diesen liebespraktischen Glauben zu leben, ist natürlich viel schwieriger, als nur vermeintlich ewige Wahrheiten zu glauben und zu verteidigen, notfalls auch mit Gewalt.
Gewalt ist leider auch ein Thema, dass den Propheten Hábakuk in der ersten Lesung arg beschäftigt und möglicherweise auch zu starken Glaubenszweifel führte. Es gibt in seinen Augen zu viel Gewalt und Unterdrückung, Misshandlung, Zwietracht und Streit. Und das Schlimme ist, dass Gott darauf in keiner Weise zu reagieren scheint.
Wie viele Menschen werden darunter nicht auch schon gelitten und keine wirkliche Antwort darauf gefunden haben!
Ist die Antwort Gottes auf aber auf Hábakuks Problem hilfreich, wenn es heißt, dass man halt nur warten soll, weil Gottes Eingreifen kommt und nicht ausbleiben wird? Ist das nicht jene Art der Vertröstung, die auf einen Sankt Nimmerleinstag vertröstet? Müssen wir nicht gerade auch in diesem Zusammenhang nach Gott schreien und darum bitten, dass er unseren Glauben stärken möge? Denn, wenn angesichts dieser schmerzlichen Erfahrungen etwas in uns wackelt, dann ist es doch das Vertrauen in einen Gott, der Liebe sein soll. Und trotzdem, auch ohne Gott bleibt die Gewalt und das Unrecht. Also nützt es mir wenig, das Vertrauen in Gottes Liebe aufzugeben.
Jesus hat auf diese Fragen auch keine intellektuellen Antworten gegeben, nein, er hat seinen Glauben zur Liebe werden lassen, wo und wie immer er konnte. Auch er konnte die Dunkelheit all‘ des vielen Leides nicht einfach wegzaubern und musste da selbst sehr schmerzlich hindurchgehen. Aber er hat Lichter der Hoffnung und der Liebe entzündet, indem er heilte an Leib und Seele, indem er ausgeschlossene Menschen in seine Liebe einschloss und dies so deutete, dass Gott es auch genauso will und nicht anders.
Auch das hat den konventionellen Glauben der Jünger erschüttert, der sich gerne nur auf das Befolgen von Gesetzen und Normen reduzierte.
Wenn wir also mit den Jüngern und Jüngerinnen Jesus bitten, dass er unseren Glauben stärke, dann bitten wir im Grunde auch, dass er unsere Liebe und unsere Hoffnung stärke. Liebe macht immer Sinn und reicht bis in die Ewigkeit, in der sich dann Gott selbst wirklich als Gott der Liebe erweisen wird. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
