(Ex 17, 3–7; Röm 5, 1–2.5–8; Joh 4, 5–42)
Liebe Schwestern und Brüder,
„ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?“ (Ex 17,7), diese Frage der Israeliten in der Wüste darf wohl erlaubt sein, wenn das Leben manchmal so schwer wird, dass man fast an ihm verzweifelt. Das ist auch keine Sünde, die man etwa gleich beichten müsste, wie es so mancher Beichtspiegel vielleicht behauptet.
So verständlich, wie diese Frage in großer Not ist, so problematisch ist sie dennoch irgendwie auch. Denn soll Gott nur in unserer Mitte und in unserem Leben sein, wenn reichlich Wasser fließt und genügend Brot vorhanden ist? Ist Gottes Gegenwart nur vonnöten, wenn es uns schlecht geht? Dann ist es kein Wunder, wenn Menschen Gott nicht mehr brauchen, weil es ihnen gut geht.
Aber warum vergessen wir die Dankbarkeit, wenn es keinen Grund zum Klagen gibt? Darf Gott nicht ebenso das Bedürfnis haben, um seiner selbst willen geliebt zu sein, auch in Zeiten des Mangels und der Not? Niemand von uns will nur geliebt sein, weil er oder sie irgendetwas zu bieten hat. Das schönste Geschenk, das einem in diesem Leben widerfahren kann, ist das Geliebtsein um seiner selbst willen. Wir dürfen fest davon ausgehen, dass Gott uns eine solche Liebe schenkt.
Sie soll ja, nach Paulus, in unseren Herzen ausgegossen sein durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (Röm 5,5).
Tatsächlich ist die Nagelprobe dieser Liebe das Sterben Jesu am Kreuz, das diese Zusage der Liebe nicht durchkreuzen konnte. Insofern ist das Glauben an diese Liebe keine eigene Leistung, sondern ein Geschenk Gottes selber, das in unsere Herzen durch den Heiligen Geist geschenkt ist. Die Firmung ist nur die Bestärkung und Aktualisierung dieser ewigen Tatsache.
Das Leben wird uns immer wieder das Geheimnis dieser Tatsache lehren, besonders und hoffentlich, wenn wir immer wieder mal die berechtigte Frage stellen, ob der Herr in unserer Mitte ist oder nicht?!
Theresa von Ávila und Johannes vom Kreuz würden das sofort auch innerlich verstehen und sagen, dass Gott sowieso als dein Geliebter in der innersten Mitte deiner Seele wohnt. Aber sie haben keine reine Innerlichkeit gepredigt, sondern immer wieder betont, dass dieses innere Wasser der Liebe nach außen strömen muss. Das haben Menschen, wie die Frau aus Samárien am Brunnen mit Jesus gespürt. Auch Gott hat in Jesus Durst nach unserer Liebe, die auch dann nicht verdunsten darf, wenn uns das Leben gerade nicht verwöhnt. Auch die Frau aus Samárien hatte Sehnsucht nach Liebe, die ihr ja offensichtlich sechs Männer nicht schenken konnten. Sie führt im Namen aller Gottsuchenden, aller Dürstenden nach Liebe, nach Gesehen werden und unbedingter Wertschätzung, ein durchaus tiefsinniges Gespräch mit Jesus. Vor allem aber spürt sie, dass da einer ist, der genau diese Liebe in sich trug und verströmte wie Wasser, weil er diese unendliche Quelle der Liebe in sich trug.
Diese geschenkte Geisteshaltung braucht keinen Kult mehr, keine prächtigen Gotteshäuser und auch keine Vermittler. Die wahren Beter beten an „im Geist und in der Wahrheit“ (Joh 4,23), das heißt im Geist der Liebe, die wahrhaft nicht nur geistig bleibt, sondern sich verleiblicht in vielfältigen Formen.
Gottes Liebe ist die Wahrheit die bleibt, auch, wenn wir immer noch fragen, ob Gott in unserer Mitte ist oder nicht?. Darin will die Firmung bestärken. Das lässt uns füreinander leben und so in Gottes Namen Wasser des Lebens für viele sein. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
https://gotteswort-weiblich.annette-jantzen.de/3‑fastensonntag-a-zum-evangelium
