(Jes 49, 8–11.13–16; 1 Petr 1, 17–21; Joh 21, 1–14)
Liebe Schwestern und Brüder,
ich bin immer wieder beim Lesen der Schrift erstaunt darüber, wie viel Tiefe in einzelnen Geschichten steckt und frage mich, ob die Verfasser damals daran gedacht haben. Es ist klar, dass der Glaube, mit oder ohne Ostern, keine Selbstverständlichkeit ist. Und mit „Glaube“, das sei immer wieder neu betont, ist nicht die Zustimmung zu sogenannten „ewigen Wahrheiten“ gemeint, sondern der Mut, Vertrauen zu wagen, auch, wenn es manchmal so unvernünftig aussieht.
Eine ähnlich geartete Konstellation finden wir im heutigen Evangelium. Nach dem Schock der Kreuzigung Jesu (und vielleicht auch mit ein bisschen schlechten Gewissen, Jesus in den schlimmsten Stunden seines Lebens verlassen zu haben), gehen einige der Jünger zum Alltag über. Sie gehen fischen.
Nicht nur, dass die äußere Nacht eine gewisse innere widerspiegelte, nein, ihr Tun, ihre Arbeit, scheint erfolglos zu sein. Manchmal kann einem ja selbst die Sinnfrage überfallen in dem Gefühl, dass es irgendwie Nacht ist und man den Eindruck hat, nichts Großes erreicht zu haben.
Nun, „als es schon morgen wurde“ (V4), das kommt uns bekannt vor, das war schon bei Maria Magdalena und den anderen Frauen so, da steht jemand am Ufer, den man nicht ansieht, das es Jesus ist. Die Anrede „meine Kinder“, ist für erwachsene Männer schon etwas merkwürdig. Aber in ihr steckt schon viel Liebe, Verstehen und Verzeihen.
In dieser tröstlichen und liebevollen Anrede kann man bekennen, dass alle eigene Mühe ziemlich erfolglos war. Und so müssen auch wir Räume schaffen, in denen wir all unsere Not sagen dürfen. Das Aussprechen dürfen, ist schon mal eine große Hilfe.
Dass die Jünger tun, was der Fremde am Ufer sagt, ist schon erstaunlich, aber nur verständlich im ganzen, gewachsenen Vertrauen. Und es erstaunt auch nicht, dass der Lieblingsjünger mit dem Herzen als erster sieht und versteht.
Man könnte jetzt fragen, warum die Jünger Fische fangen sollten, wo doch plötzlich Fisch und Brot schon da sind? (V9) Es betont einmal mehr, dass wir nicht zu geben haben, wenn Gott nicht zuvor unseren eigenen Hunger stillt. Aber andererseits ist es nicht so, dass unser Tun umsonst ist. Unser Bemühen gehört dazu. Die Früchte dessen sind allerdings auch sein Geschenk.
Die Zahl 153 steht für die Fülle der Gemeinschaft und die Offenheit der Kirche für alle Menschen, aus allen Kulturen und sozialen Schichten. Gott und Jesus gingen und geht es nicht nur um einige Auserwählte, sondern um alle Menschen, weil alle Menschen Kinder Gottes sind und zur Fülle des Lebens gelangen sollen. Das kann man innerhalb, wie außerhalb der Kirchen. Gott ist kein Besitz von Religionen. Sie sollen die Mission Gottes und Jesu unterstützen, dass Menschen zu einer gewissen Fülle des Lebens finden, dass sie einen Sinn in einem Leben der Liebe sehen und finden können, ja, dass alle Menschen sich als eine große Familie begreifen und achten, die im Geheimnis Gottes begründet ist. Dazu möge uns allen Gottes Geist geschenkt sein hier und ewig. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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