(Jes 9, 1–3; 1 Kor 1, 10–13.17; Mt 4, 12–23)
Liebe Schwestern und Brüder,
im vergangenen Jahr hat man des Konzils von Nizäa im Jahre 325 gedacht, das vor 1700 Jahren jenes Glaubensbekenntnis formulierte, das bis heute mit einigen Änderungen und Ergänzungen für die meisten Konfessionen grundlegend ist.
Mit seinen Worten und theologischen Aussagen rührt es wenig das Herz an. Auffallend ist auch, dass da weder von der Liebe, noch von jenem Satz berichtet wird, der zentral für die Verkündigung Jesu war, nämlich das „Reich Gottes“ oder wie es im heutigen Evangelium hieß, das „Himmelreich ist nahe“. Da könnte man meinen, es ginge um jenes Himmelreich, in das Menschen gerne nach ihrem Tod kommen wollen. Aber dem ist nicht so. Für Jesus war die Nähe des Reiches Gottes eine Umschreibung für die Nähe Gottes selber. Über 100 mal ist in den Evangelien vom „Reich Gottes“ die Rede und macht so den Verkündigungskern Jesu aus.
Mit denselben Worten hatte schon Johannes der Täufer gepredigt, allerdings hat Jesus diese Worte mit anderem Leben gefüllt.
Man darf ja nicht müde werden zu betonen, dass das „kehrt um“ nicht bedeutet, sich mal ein bisschen am Riemen zu reißen, sondern das es wortwörtlich ja heißt: „denkt um“!
Manchmal steckt man ja so selbstverständlich in Denkweisen drin, dass man gar nicht merkt, dass sie vielleicht falsch sein könnten.
Dem heiligen Augustinus wird der Satz zugeschrieben, dass die eigentliche Befreiung die Befreiung von den Gedanken sei. Denn Gedanken sind ja nicht harmlos, sie prägen unsere Gefühle, unser Reden und unser Tun. Wer nur Negatives und Hasserfülltes denkt, kann weder glücklich, noch menschenfreundlich sein. Und gesund für Leib und Seele ist es schon gar nicht.
In der Regel, sagt die Bibel, denkt das Herz. Von dort kommen gute und schlechte Gedanken, die zu guten oder schlechten Worten und Taten werden können. Insofern sollte man wirklich darauf achten, was man so denkt. Man könnte es sogar Seelenhygiene nennen, die mindestens genauso wichtig ist, wie die körperliche Hygiene.
Jesus verkündete also das Reich Gottes, die Nähe Gottes, und machte es spürbar und erfahrbar durch heilsame und heilende Worte und Taten. Er verwandelte das strenge Gesetzesdenken von Gott in ein liebevolles, er lenkte den Blick des Glaubens nicht auf unsere moralische Leistung, sondern auf die bedingungslose Liebe Gottes, der sich nach unserer Liebe und unserem Vertrauen sehnt. Gott geht es nicht um das richtige Glaubensbekenntnis, sondern um eine Glaubenspraxis, die vor allem Liebe hervorbringen soll. Liebe bewährt sich vor allem im Umgang mit sog. „Zöllnern und Sündern“, mit jenen also, die gerne ausgeschlossen werden, weil sie für ein System zu unangepasst sind oder sich nicht an moralische Vorgaben halten. Sie bewährt und erweist sich in Wertschätzung für das Kleine und Rechtlose, für Kinder und Alte, für Kranke, Alleinerziehende und viele mehr. Das war nichts Neues, das haben die Propheten auch schon im Namen Gottes gewollt. Aber das mit der Liebe konkret will immer keiner haben. Da ist es leichter, sich korrekt an das zu halten, was Gesetze vorschreiben oder verbieten.
„Kommt her, mir nach“, das gilt nicht nur für Profis, sondern für einen jeden von uns. Es ist dringend, dass wir sofort heilsam verkünden und leben. Denn die Welt, hier und überall, braucht heilsam wirkende Menschen, die ihr Herz und ihre Menschlichkeit nicht vergessen oder haben rauben lassen. Möge uns dies mit Gottes Hilfe und Geist Tag für Tag neu gelingen. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
https://gotteswort-weiblich.annette-jantzen.de/3‑sonntag-im-jahreskreis-a-segen
