4. Sonn­tag der Os­ter­zeit (25.04.2021)

(Ez 34; 1 Joh 3, 1–2; Joh 10, 11–18)

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,
„Ge­lieb­te“, so heißt es heu­te im 1. Jo­han­nes­brief. Ge­nau­so sind auch wir an­ge­spro­chen: „Ge­lieb­te“! In die­sem Wort ist ei­gent­lich al­les aus­ge­spro­chen, was un­ser tiefs­ter Glau­be ist. Es ist das kür­zes­te Glau­bens­be­kennt­nis, das ich ken­ne: „Ge­lieb­te“! Der Gu­te-Hir­te-Sonn­tag sagt uns zu­al­ler­erst, dass wir Ge­lieb­te sind. Aber nicht nur das. Wir ste­hen nicht als Scha­fe vor Gott, so­zu­sa­gen von un­ten nach oben bli­ckend zum gro­ßen, er­ha­be­nen Gott. Nein, als „Kin­der“ schau­en wir auf Gott, wie auf ei­nen „gu­ten Va­ter, ei­ne lie­ben­de Mut­ter“, wie es in der Präf­a­ti­on des 4. Hoch­ge­be­tes für Mes­sen für be­son­de­re An­lie­gen heißt. Aber eben nicht als sog. „un­mün­di­ge“ Kin­der, de­nen Aus­ge­wach­se­ne ger­ne ih­re ei­gen­stän­di­ge Wür­de ab­spre­chen, nur weil sie noch aus­drück­lich be­dürf­ti­ger sind. „Kind“ bleibt man ja im Be­zug auf sei­ne El­tern ein Le­ben lang. Lei­der wer­den man­che auch ein Le­ben lang wie un­mün­di­ge Kin­der be­han­delt bzw. ver­hal­ten sich Kin­der doch recht un­mün­dig bzw. we­nig rei­fe­voll.
Aber „Kind Got­tes“ zu sein, be­deu­tet ei­ne en­ge, ver­trau­ens­vol­le Be­zie­hung mit Gott, wie sie nur auf Au­gen­hö­he mög­lich ist. Wir dür­fen uns wirk­lich „Töch­ter und Söh­ne Got­tes“ nen­nen. Wir sind kei­ne dum­men Scha­fe, de­nen Hir­ten erst sa­gen müs­sen, wo es lang geht. Wir ha­ben ei­ne Wür­de, die tie­fer nicht be­schrie­ben wer­den kann als mit dem Be­griff der „Got­tes­kind­schaft“. Und das gilt nicht nur für Ge­tauf­te, son­dern für al­le Men­schen und Ge­schöp­fe, die sich al­le da­nach seh­nen, Ge­lieb­te zu sein. Die­se Grund­ein­stel­lung soll­te al­le Be­zie­hungs­ebe­nen prä­gen und auch Sys­te­me bzw. Struk­tu­ren ver­än­dern, vor al­lem und aus­drück­lich auch kirch­li­che.
Na­tür­lich le­ben wir noch nicht im Him­mel. Auf Er­den er­le­ben wir die Got­tes­kind­schaft noch ge­bro­chen, un­fer­tig, voll­endungs­be­dürf­tig, wie ei­gent­lich fast al­les im Le­ben, auch den Os­ter­glau­ben. Dar­um heißt es ja: „Doch ist noch nicht of­fen­bar ge­wor­den, was wir sein wer­den.“ (1 Joh 3, 2) Die­se Span­nung müs­sen wir aus­hal­ten, die­ses „Noch nicht“, das wir oft so schwer an­neh­men und ak­zep­tie­ren kön­nen. Ich bin ge­spannt, was es heißt, „ihm ähn­lich zu sein“ bzw. „ihn zu se­hen, wie er ist.“ Da gibt es dann aber kein „Noch nicht“ mehr. Da muss un­ge­bro­che­ne Be­zie­hung sein, er­füll­tes und voll­ende­tes Le­ben, mein und un­ser ver­söhn­tes Le­ben, mit all dem, was un­ser ir­di­sches Le­ben so aus­mach­te. Viel­leicht kann ja die­se Hoff­nung ös­ter­lich un­ser jet­zi­ges Le­ben prä­gen, ihm ein Stück Him­mel ins Herz schrei­ben mit dem Wort „du Ge­lieb­te, du Ge­lieb­ter“, trotz und in al­lem. Amen.

(P. Tho­mas Röhr OCT)