(Zef 2,3;3, 12–13; 1 Kor 1, 26–31; Mt 5, 1–12a)
Liebe Schwestern und Brüder,
die Seligpreisungen kennt eigentlich jeder. Oft werden sie als ethische Vorgaben betrachtet, an denen wir unser Leben ausrichten sollen. Das ist sicher nicht falsch und Versuche wert. Aber irgendwie scheint mir, als ginge das am Grundanliegen vorbei.
Wie so oft suchen wir ja gerne nach der “Moral von der Geschicht”. Nur hat diese Geschicht nicht die Moral im Blick, wie in vielen Geschichten der Bibel nicht. Denn Jesus richtet hier seinen Blick auf Menschen, die in den Augen der Mächtigen, der Finanzstarken und religiösen Leistungssportler eher die “A‑Karte” gezogen haben.
Die nicht nur danach fragen, was es einem bringt, die nicht nur hohe, ethische Standards verkünden und in der Praxis vergessen haben, was sie anderen ständig hoch und vor die Nase halten.
Es sind eher jene Menschen, die im Alltag des Lebens gedemütigt werden, weil sie es wagen, nach Gerechtigkeit zu fragen und den Mantel der Liebe und Barmherzigkeit nicht an den Nagel alltäglicher Unbrauchbarkeit zu hängen.
Es sind jene, die sich vor Gott ziemlich arm vorkommen, weil sie mit den religiösen Leistungsträgern nicht mithalten können. Es sind jene, die zu ihrer Trauer darüber stehen, dass sie so Vieles verletzt in dieser Welt und in den Religionen. Es sind jene, die die Hass- und Ellbogenmentalität nicht verstehen und nicht leben können. Die darum in ihrer verletzlichen Sanftmütigkeit wirklich reinen Herzens sind, die aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen und Frieden säen, wo immer sie sind.
Man lacht sie aus und hält sie für Träumer, ein bisschen realitätsfremd und blauäugig. Und genau diese belächelten Menschen meint Jesus in den sogenannten Seligpreisungen. Ihnen sagt er Gottes Liebe und Wertschätzung zu, sie will er trösten und ermutigen, den Mut weiterhin aufzubringen, nach ihrem Herzen zu leben.
Leider kann er sie nicht aus ihrer Verletzlichkeit befreien, sie schützen, wenn sie mit Worten und Taten verfolgt werden. Aber es könnte sie ungemein trösten, dass jemand Wichtiges genau sie meint. Sie, die oft vergessen, verlacht und belächelt werden, weil sie nicht anders können, als Mensch, menschlich und liebevoll zu sein. Sie, denen man gerne immer wieder Moralpredigten hält, weil sie nicht lehrbuchmäßig leben, sie, denen man noch den letzten Euro aus der Tasche zieht und die es sich nicht leisten können, Grönland zu kaufen. Alle diese wunderbaren Menschen hat Jesus im Blick und will sie ein wenig trösten und wertschätzen.
Und ich kenne auch derer viele, getauft, wie ungetauft, um deretwillen die Welt noch ein lebenswerter Ort ist, der sofort die Hölle wäre, wenn sie aufhören würden, den Geist der Seligpreisungen zu leben, der wie ein Wunder im Garten ihres Herzens und ihrer Seele aufgeblüht und ein Zeichen der Gegenwart Gottes ist. Sie alle werden heute selig gepriesen, und das ist würdig und recht. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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