5. Fas­ten­sonn­tag — Le­se­jahr B (21.03.2021)

(Jer 31, 31–34; Hebr 5, 7–9; Joh 12, 20–33)

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,
„Es geht! An­ders.“, die­ses Leit­wort des heu­ti­gen Mi­se­re­or-Sonn­ta­ges ist auch schon welt­wei­te Rea­li­tät. Aber die Rea­li­tä­ten, die sich in den Vor­der­grund drän­gen, schei­nen oft das Ge­gen­teil zu be­wei­sen. Manch­mal ge­hört schon sehr viel Mut da­zu, dar­an zu glau­ben und dar­an mit­zu­ar­bei­ten, dass es auch an­ders geht. Und manch­mal ist es gar le­bens­ge­fähr­lich, wenn Men­schen da­durch am Sta­tus quo rüt­teln, weil er un­ge­recht und le­bens­feind­lich ge­wor­den ist oder Pri­vi­le­gi­en We­ni­ger in Fra­ge stellt. „Es geht! An­ders.“, das ist nicht nur ein Slo­gan für die an­de­ren, nicht nur ei­ner, der die sog. „bö­se Welt“ be­trifft, son­dern ei­ner, den sich die Kir­che im­mer wie­der sel­ber sa­gen muss. Auch in ihr, vor al­lem in ih­ren Struk­tu­ren, muss Vie­les an­ders wer­den.
Schaut man in die Hei­li­ge Schrift und auch in die heu­ti­gen Le­sungs­tex­te, da ist es vor al­lem im­mer wie­der Gott sel­ber, der die­sen Slo­gan aus­gibt und re­gel­mä­ßig da­mit – schei­tert, bis hin zu Je­sus von Na­za­reth. Auf­er­ste­hung heißt in die­sem Zu­sam­men­hang auch, dass Gott an sei­nem „Es geht! An­ders.“ fest­hält und wir dar­um von Ihm her im­mer ei­ne wun­der­vol­le Zu­kunft ha­ben.
Das Chris­ten­tum be­zeich­net sich ger­ne als das „Neue Volk Got­tes“, be­ruft sich nicht ganz un­pro­ble­ma­tisch auf den sog. „Neu­en Bund“, den Gott im Ge­gen­satz zum „Al­ten Bund“ durch Je­sus mit den Men­schen ge­schlos­sen hat. Doch was heißt hier „neu“, was heißt hier „alt“? Vie­le mei­nen ja, nur weil da drau­ßen „neu“ drauf­steht, wä­re auch „neu“ drin! Lei­der ist dem nicht au­to­ma­tisch und in al­le Ewig­keit so. Ein Blick in das ers­te Tes­ta­ment zeigt, dass es da im­mer wie­der „Neue Bün­de“ zwi­schen Gott und den Men­schen gab, z.B. mit No­ah, Abra­ham, Isaak und Ja­kob, beim Exo­dus, mit Da­vid. Je­re­mia nun, und Eze­chi­el am En­de auch, spre­chen von ei­nem neu­en, ewi­gen Bund, der al­ler­dings ein­sei­tig von Gott er­füllt und ga­ran­tiert, ei­nen Bund, den Je­sus dann leib­haf­tig ver­kör­pern wird. Die­ser Bund ist das Ver­spre­chen Got­tes, dass er sei­ne Lie­be nie­mals kün­di­gen und dass er die­se „Fro­he Bot­schaft“ in die Her­zen der Men­schen schrei­ben wird, da­mit er nicht nur äu­ßer­lich ge­rühmt, son­dern vor al­lem in­ner­lich be­jaht und an­ge­nom­men wird. Gott ver­bin­det sich über das Herz di­rekt mit je­dem Men­schen, so dass es kei­ner Ver­mitt­ler mehr be­darf. So kann Je­re­mia in Ka­pi­tel 31, Vers 34 schrei­ben: „Kei­ner wird mehr den an­de­ren be­leh­ren, man wird nicht zu­ein­an­der sa­gen: Er­ken­ne den Herrn!, denn sie al­le, vom Kleins­ten bis zum Größ­ten, wer­den mich er­ken­nen, Spruch des Herrn. Denn ich ver­ge­be ih­re Schuld, an ih­re Sün­den den­ke ich nicht mehr!“ Was für ein schö­ner Satz, was für ei­ne Ver­hei­ßung für heu­te und in Zu­kunft, be­stä­tigt und be­kräf­tigt in dem, was wir Pfings­ten mit der Aus­gie­ßung des Hei­li­gen Geis­tes für al­le fei­ern.
Mö­ge Gott das in un­ser Herz schrei­ben und wir da­durch auch die Er­fah­rung ma­chen: „Es geht! An­ders.“
In dem Wort „Verbunden­heit“ steckt der „Bund“ drin, der zur Tat und Er­fah­rung wird, wo es ei­ne welt­wei­te, so­li­da­ri­sche und ge­schwis­ter­li­che Ver­bun­den­heit ist zwi­schen Men­schen, Mit­ge­schöp­fen und der Mut­ter Er­de. Amen, so sei es!

(P. Tho­mas Röhr OCT)