(Spr 8, 22–31; 1 Joh 4, 7–13.16b; Joh 3, 16–18)
Liebe Schwestern und Brüder,
Astronauten sagen, dass der Blick auf die Erde überwältigend ist, so sehr, dass man das nicht mehr vergessen und manchmal sogar nicht mehr verarbeiten kann. Das Merkwürdige ist, dass wir Menschen auf der Erde die Kostbarkeit dieser Erde und allen Lebens oft irgendwie nicht begreifen und würdigen können.
Man mag ja zum Klimawandel stehen, wie man will. Eines ist mit Sicherheit nicht mehr zu leugnen, nämlich, wie alles miteinander verbunden ist. Eine falsche Schöpfungstheologie, die nur den Menschen zur Krone der Schöpfung erklärt und ihn die Schöpfung für seine Zwecke ausbeuten und zugrunde richten lässt, verletzt das Geheimnis der Dreifaltigkeit.
Es gibt nur ein „First“, und zwar das „Geheimnis der Dreifaltigkeit First“, nicht das „Menschen First“ nicht ein „Land First“ und schon gar nicht den „Gewinn oder das Geld First“. Auch eine „Kirche oder Religion First“ gibt es nicht.
Wer das Geheimnis der Dreifaltigkeit bekennen und leben will, der bekennt und lebt ein „Liebe First“. Und das eben nicht abstrakt, sondern konkret, so konkret, dass es verboten ist, sich vor den Anspruch der Liebe in Abstraktionen und bloßen Diskussionen zu flüchten. Auch Gemeinde oder Pfarrei bleibt abstrakt, wenn man statt Menschen vor allem Institutionen liebt.
In einer Welt und in einem Universum, in dem man nicht mehr als ein Atom zu sein scheint, sehnt man sich nach spürbarer und erfahrbarer Nähe, die nicht im Großen, sondern im Kleinen erreicht wird. Die Dreifaltigkeit zu bekennen und zu feiern, heißt die Liebe zu bekennen und zu feiern und sie konkret werden zu lassen in unserem Denken, Reden und Handeln.
Alles, was die Liebe verletzt und sie nicht mehr „First“ sein lässt, ist ein Irrweg, mag er noch so bekenntnishaft und fromm daherkommen. Alles und jedes, jeder einzelne Mensch, jedes einzelne Geschöpf, ist ein Schrei nach „Liebe First“. Wenn wir das aus den Augen verlieren, dann haben wir keine Zukunft, weder als Land, als Kirche, als Religion, als Menschheit.
Natürlich ist alle Liebe begrenzt, reicht sie manchmal nicht weiter als unsere arg alltäglich strapazierten Nerven. Das müssen wir auch akzeptieren und das verbindet uns ja auch miteinander. Aber denken wir dann daran, wie es heute im Evangelium hieß: „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird“ (Joh 3,17). Gott hätte genügend Gründe, die Welt zu richten, aber er will sie retten.
Manchmal kann man gar nicht verstehen, warum Gott so verrückt liebt. Aber unendlich dankbar dafür können wir schon sein.
Lasst uns also Menschen sein, die das „Dreifaltigkeit First“ lieben und leben und so das unbegreifliche Geheimnis zum Leuchten und zu Erfahrung für viele Menschen und Geschöpfe bringen. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
