(Röm 8, 19–26; Lk 17, 11–19)
Liebe Schwestern und Brüder,
wenn wir heute den Erntedanksonntag feiern, dann feiern wir ein kleines, aber sehr wichtiges Wort, nämlich das Wort “Danke”. Das sollte freilich nicht nur so daher gesagt sein, sondern aus tiefstem Herzen kommen und eine Haltung zum Ausdruck bringen. In dem Wort Haltung steckt auch das Wort “Halt”. Wer Danke sagt, hält fest, dass ihm etwas zum Geschenk geworden ist, etwas, was man sich nicht einfach nehmen und auch nicht mit noch so viel Geld kaufen kann.
Geld verleitet uns manchmal zur Undankbarkeit, weil wir mit dem Geld das Recht ableiten, etwas verdient zu haben. Sicher, man kann und muss Geld verdienen, und man verdient es oft auch. Aber im Grunde bleibt fast alles im Leben ein Geschenk, materiell wie geistig. An einem Erntedank- sonntag dankt man freilich für die Ernte, aber das ist sie gibt, ist auch ein Geschenk. Natürlich gibt es viele Menschen, die keine Ernte einfahren und von denen leben, die dies für uns und auch für Geld tun. Aber dennoch haben auch sie Grund genug, mit zu danken.
Es kann sein, dass unser Blick manchmal zu eingeengt ist auf das, was uns Sorgen macht und ärgert. Dann kann es uns schwer fallen, zu danken, weil wir meinen, keinen Grund dazu zu haben. Da hilft es manchmal, ganz bewusst zu schauen, was uns eigentlich dankbar machen müsste. Es ist ein großes Geschenk, dass wir z.B. gesund sind, Lebensmittel haben, sauberes Wasser, Freundschaften, ein Dach über dem Kopf und so weiter und so fort. Es gibt Menschen, die meinen, wir sollten natürlich auch für das danken, was wir nicht haben, nämlich keinen Krieg, keine Katastrophen, gerade keine Pandemie, relative Sicherheit, keine Krankheiten und so weiter und so fort.
Man muss auch nicht gleich an einen lieben Gott glauben, um Danke sagen zu können und Erntedankfest zu feiern. Aber für Menschen, die zu glauben versuchen, steckt im Dank sagen immer auch das Geheimnis Gott mit drin, dem sie in ihren Augen alles verdanken. Darum kann dieser Glaube Halt geben und zu einer Haltung führen, die praktisch nichts für selbstverständlich hält. Das wiederum kann eine Haltung fördern, die achtsam ist und im guten Sinne demütig. Ja, sie kann das Miteinander mehr und mehr zu mehr Menschlichkeit und Lebensqualität verändern, die uns auch finanziell etwas wert ist.
Und letztlich fördert ein Leben aus Dankbarkeit auch unsere seelische und leibliche Gesundheit. So klein also, wie das Wort Danke ist, so groß kann seine Wirkung sein.
Vielleicht stand am Anfang der Religionen nicht zuerst die Angst vor einem zornigen und opfergierigen Gott. Vielleicht war da einfach nur staunende Dankbarkeit, die irgendwo hin musste und dies einfach in den Himmel sagte, den man als segens- und liebevoll erfuhr.
Diese Erfahrung wünsche ich uns nicht nur am Erntedanksonntag, sondern möglichst Tag für Tag. Und ich glaube, dass dann selbst der liebe Gott einfach nur in das kleine, große Wort “Danke” einstimmen würde. Amen.
(P. Thomas Röhr OCD)
