(Jes 9, 1–6; 1 Joh 2, 7–11; Lk 2, 22–40)
Liebe Schwestern und Brüder,
ob dieses Fest nun „Darstellung des Herrn“ oder „Mariä Lichtmess“ heißt, beide Bezeichnungen wirken doch recht befremdlich für uns. Auch der jüdische Hintergrund der Reinigung Mariens, wie die Auslösung der Erstgeburt durch ein Tieropfer, sind uns völlig fremd und unverständlich.
Allerdings ist dieses Fest wohl auch jenes, dass uns am meisten daran erinnert, wo wir als Christen herkommen, nämlich aus dem Judentum. Weder die Eltern Jesu, noch Jesus selber, waren etwa die ersten Christen. Wie Simeon und Hanna waren und blieben sie ihr Leben lang Juden. Das Licht, dass wir also heute feiern, hat einen jüdischen Ursprung, den wir in aller Ehrfurcht nie vergessen sollten.
Simeon also bezeichnet das Kind Jesus als „Licht“ und Hanna sprach über das Kind sicher auch als Licht. Licht gibt es nur, weil es eine Quelle hat. Das Tageslicht schenkt uns die Sonne. Und, ehrlich gesagt, ist Licht doch etwas sehr Geheimnisvolles, wie so Vieles in unserem Universum und in unserem Leben. Auch das sollten wir nie vergessen und verdrängen, indem wir so tun, als wüssten wir Bescheid. In jeder Hinsicht täte uns etwas mehr Demut und Ehrfurcht gut.
Wenn Simeon und Hanna Jesus als „Licht“ bezeichnen, dann sehen sie mehr mit den Augen des Herzens, weil doch die leiblichen Augen eines alten Menschen nicht besser werden. Hanna und Simeon stehen für alle Senioren, die uns daran erinnern, mehr mit den Augen des Herzens zu sehen und nicht nur mit der Brille der Effizienz, Leistung und Wirtschaftlichkeit. Wer in der Lage ist, in einem Kind, das noch nichts leisten kann, das Licht zu sehen, der ist wahrhaft weise und reif geworden.
Wer bei Senioren immer nur über Kosten redet, der wertschätzt weder ihre Lebensleistung, noch den immateriellen Reichtum, den sie zu verschenken haben.
So, wie die Sonne also die Quelle unseres Lichtes ist, so ist das Geheimnis „Gott“ die Quelle für das Licht, dass „Jesus“ heißt. Dieses Geheimnis wird nicht gelüftet, aber dieses Licht Jesus wird nicht müde werden, zu verkündigen und erfahrbar zu machen, wie heilsam die Quelle des Geheimnisses Gott ist. Das haben die beiden Senioren Hanna und Simon begriffen. Das haben viele auch nach Simeon und Hanna begriffen und gelebt, leider viele auch nicht, bis heute, bis in jene religiösen Verantwortungsträger nicht, die schon damals versucht haben, das Licht Jesus auszupusten, um lieber ihren theologisch, philosophisch, selbstgemachten Gott, als den lebendigen und liebevollen anzubeten und zuzulassen.
Besonders am Umgang mit Kindern und alten Menschen kann man sehen, ob man das Licht sieht oder nicht. Mögen uns die Senioren Hanna und Simon segnen, damit wir das Licht sehen und aus ihm leben in Glaube, Hoffnung und Liebe. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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