(Sir 3, 2–6.12–14; Kol 3, 12–21; Mt 2, 13–15.19–23)
Liebe Schwestern und Brüder,
im Tagesgebet zum heutigen Fest der Heiligen Familie heißt es: „Herr unser Gott, in der heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt.“ Nun wissen wir natürlich herzlich wenig über das alltägliche Leben dieser sogenannten „Heiligen Familie“. Vermutlich wird jeder irgendwie seine eigenen Vorstellungen von Familie da hinein- interpretieren.
Es gibt ja keine laborfeine Überzeugungen, frei von allen persönlichen Einstellungen und Erfahrungen. Das sollte man im Hintergrund nie vergessen.
Ich stolpere schon etwas über die Worte „Heilige Familie“. Denn was heißt hier „Heilig“ und was heißt „Familie“? Das hat sich doch über viele Generationen und Kulturen wesentlich verändert. Es gibt heutzutage so viele Formen von Familie, dass man kaum behaupten kann, dass die ideale Form nur Vater, Mutter und Kind sein kann. Worauf es doch bei dem Begriff Familie immer ankommt, so ist das eben eine Art von Beziehung, die man tragfähig, liebevoll und verbindlich nennen kann. Es ist jene Art von Zuhause, zu dem man gerne zurückkehrt und das einem Geborgenheit, Angenommensein und liebevolle Wertschätzung schenkt. Da gibt es keine Automatismen für bestimmte Formen und kein Dauer-Abo für eine sog. „Heile Familie“. Nicht einmal die sogenannte „Heilige Familie“ war frei von alltäglichen Problemen, von Sorge und Not, wie man gerne in den Kindheitsgeschichten der Evangelisten Lukas und Matthäus nachlesen kann.
Ist die „Heilige Familie“ deswegen heilig, weil Jesus in ihr gelebt hat? Oder ist sie heilig, wie das Tagesgebet weiter formuliert, weil sie in „Frömmigkeit und Eintracht miteinander“ lebt?
Ist damit gemeint, dass eine „Heilige Familie“ nur heilig ist, wenn es keine Konflikte gibt und die Frömmigkeit (welche?) stimmt? Wohl eher nicht!
Aber dann wird im Tagesgebet weiter gebetet mit den Worten: „Gib, dass unsere Familien einander in der Liebe verbunden bleiben“. Das ist wohl die wichtigste Bitte, dass wir in Liebe verbunden bleiben, die Krisen und Unheilsein kennt, aber aushält und im besten Falle heilen kann.
Ich glaube ganz fest daran, dass es die Liebe ist, die heilig und heil macht. Denn alles, was wir lieben, wird dadurch heilig und ist uns heilig.
Aber Weihnachten wird uns gesagt, dass es nicht zuerst um unsere Liebe geht, sondern um jene, die uns der Himmel in Jesus geschenkt hat. Niemand kann sich selbst heilig machen. Heilig sind wir, weil wir unendlich geliebte sind. Diese Heiligkeit schenkt jede Liebe und der Himmel wird in ihr gegenwärtig, in welchen Formen sie auch immer daherkommt.
Darum braucht jeder diese Liebe und eine heilige Familie, um selber Mensch zu werden und in seinem Menschsein zu reifen.
Das erbitten wir heute am Fest der Heiligen Familie. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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