(Jes 42, 5a.1–4.6–7; Apg 10, 34–38; Mt 3, 13–17)
Liebe Schwestern und Brüder,
mit dem heutigen Sonntag und dem Fest der Taufe des Herrn endet die Weihnachtszeit. Zugleich werden hier bei uns die Sternsinger ausgesendet, um Gottes Segen in die Häuser und Wohnungen zu bringen und für Kinder in Not Geld zu sammeln. Dieses Jahr stehen Kinder und Jugendliche aus Bangladesch im Mittelpunkt, die arbeiten müssen, anstatt in die Schule zu gehen.
Das ist für diese Kinder und Jugendliche nicht nur gesundheitlich problematisch, sondern auch für ihre Zukunft. Denn ohne Bildung kann man sich nicht gut auf das Leben vorbereiten und sind Berufschancen schlecht.
Wie können wir dieses Thema der Sternsinger mit dem Fest der Taufe des Herrn verbinden? Nun, Jesus steht zunächst einmal auf der Seite jener Menschen, die wissen, wie sehr sie von Gottes Barmherzigkeit und Liebe leben, die wissen, wie oft sie hinter dem Anspruch gelebter Liebe zurückbleiben. Da ist bestimmt nicht immer nur ein mangelnder Wille daran schuld.
In dieser Reihe jener, die sich von Johannes taufen lassen möchten, stehen vielleicht auch jene Kinder und Jugendliche, die sich danach sehnen, nicht arbeiten zu müssen, sondern in die Schule gehen zu dürfen, was manche Kinder und Jugendliche hier vielleicht nicht ganz verstehen werden. Aber Bildung schenkt Zukunft und Freiheit, auch wenn wir das manchmal noch nicht verstehen können.
Natürlich gibt es auch Leute, die nicht in dieser Schlange stehen, weil sie meinen, es nicht nötig zu haben oder sich besser fühlen als die, die da in der Schlange stehen. Doch wenn man Jesus nachfolgen möchte, sollte man schauen, auf welcher Seite man selbst und auf welcher Seite Jesus steht. Denn nur dort wo, wo Jesus steht, hören alle die Stimme aus dem Himmel: „du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. Ich habe dich wahnsinnig lieb!“
Die Gerechtigkeit, von der Jesus im Gespräch mit Johannes spricht, hat mit dem zu tun, was schon Jesaja in der ersten Lesung vom sogenannten „Knecht“ schreibt, den Gott aber lieber „geliebter Sohn“ nennt.
Dieser geliebte Mensch hat einen Gottesgeist in sich, der menschlich ist und das Leben menschlicher und gerechter macht. Er schreit nicht herum und zerstört nicht. Er richtet nicht zugrunde, sondern eröffnet neues Leben. Er richtet das Recht auf und bricht es nicht für seine eigenen Interessen. Er macht das Licht für viele Menschen an und nicht aus, er lässt niemanden in Kälte und Finsternis zurück. Er verschafft wieder Durchblick und befreit alle aus jenen Gefangenschaften, die z.B. Kinderarbeit heißen oder lähmende Angst oder eben alles, was uns hindert, wirklich zu leben, zu vertrauen, zu hoffen und zu lieben.
Da sehen wir, wie gut das Fest der Taufe des Herrn mit den Sternsingern, aber auch mit unserem eigenen Leben zusammenpasst. Jesus möchte uns auch befreien aus einer falsch verstandenen, weihnachtlichen Rührseligkeit, die folgenlos bleibt. Er möchte, dass wir mit ihm als Töchter und Söhne Gottes im Geist Gottes unterwegs sind, der immer praktisch alltäglich und liebevoll ist. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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