(Dtn 8, 2–3;14–16a; 1 Kor 10, 16–17; Joh 6, 51–58)
Liebe Schwestern und Brüder,
in Japan soll es in Altenheimen Pflegeroboter geben, die sprechen und in Vielem den Bedürfnissen der Senioren entgegenkommen können. Ja, durch KI, also Künstlicher Intelligenz, können diese Roboter sogar lernen und ihre Fähigkeiten verbessern.
Ich kann mir allerdings beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie das ersetzen können, was Senioren und alle Menschen und Lebewesen am dringendsten brauchen: nämlich einen Menschen aus Fleisch und Blut.
„Fleisch und Blut“ meinen in diesen Zusammenhang nicht zwei verschiedene Materialien eines Menschen, sondern den ganzen, und zwar mit Leib und Seele. Vor allem aber mit Herz, auch hier nicht im Sinne eines Organes gebraucht. Niemand käme in diesen Zusammenhang auf die Idee, dass hier Materialien oder Organe gemeint sein könnten. Genau in die gleiche Richtung denkt der Evangelist Johannes, wenn er Jesus die sogenannte „Brotrede“ halten lässt. Kein ernstzunehmender Theologe würde heute noch behaupten, dass Jesus diese Rede genauso gehalten hat und irgendjemand derart schnell mitschreiben konnte.
Eigentlich ist es in meinen Augen unverantwortlich, derart komplexe und schwierige Texte zu Fronleichnam auszuwählen oder sie gar in einem wortwörtlichen Sinne stehen zu lassen oder verstehen zu wollen. Der irdische Jesus hätte niemals eine solche Rede gehalten.
Und im übrigen lag sein Schwerpunkt ohnehin nicht in seinen Worten, sondern vor allem in seinen Taten.
Wenn es also heute in Johannes 6,56 heißt: „Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm“, dann ist dringend und unbedingt Vers 51 mitzuhören, wo es heißt: „ICH BIN das lebendige Brot!“ Man könnte auch mit anderen Worten sagen: wenn ihr mein
Menschsein, meine liebevolle Hingabe, nicht verinnerlicht, wenn euch das als alles nicht wirklich „in Fleisch und Blut“ übergeht, dann habt ihr mit mir nicht viel zu schaffen. Ihr sollt nicht die Monstranz durch die Straßen tragen und erwarten, dass das andersgläubige oder religionsfreie Menschen besonders beeindruckt. Ihr sollt selbst eine Monstranz sein, Menschen aus Fleisch und Blut, vor allem mit Herz, bei denen Menschen Wärme, Liebe und Wertschätzung erfahren dürfen, so wie jene, denen Jesus mit Herz begegnet ist.
In Zeiten von KI und zunehmender Digitalisierung lasst uns also Menschen aus Fleisch und Blut sein, vor allem Menschen mit Herz, die nicht mehr nur auf ein Display starren und darüber wischen, sondern Begegnung Wagen von Angesicht zu Angesicht, von Herz zu Herz. Die einander berühren in einer Art, die vor allem das Herz warm berührt. Daran möge uns Fronleichnam heute erinnern, dazu möge es uns ermutigen, das möge uns mehr und mehr in Fleisch und Blut übergehen. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
