Lit­ur­gi­scher Im­puls — Ge­dan­ken zum vier­ten Fas­ten­sonn­tag oh­ne ge­mein­sa­men Got­tes­dienst

(1 Sam 16,1b.6–7.10–13b; Eph 5,8–14; Joh 9,1–41)

Der vier­te Fas­ten­sonn­tag trägt tra­di­tio­nell den Na­men „La­e­ta­re“. Ha­ben wir Grund zur Freu­de? Wie ge­hen wir heu­te mit der uns um­ge­ben­den Kri­se um? Ganz si­cher ist es rich­tig, auf Ver­an­stal­tun­gen, auch Got­tes­diens­te, zu ver­zich­ten und so die schnel­le Aus­brei­tung des neu­ar­ti­gen Co­ro­na­vi­rus zu ver­lang­sa­men. Merk­wür­dig ist, wel­che Re­ak­tio­nen das teil­wei­se her­vor­ruft.

So er­reich­te mich am ver­gan­ge­nen Sonn­tag – an dem erst­mals, re­la­tiv kurz­fris­tig, an vie­len Or­ten Got­tes­diens­te ab­ge­sagt wur­den – ein Bild, das den lee­ren Abend­mahls­saal aus dem be­rühm­ten Ge­mäl­de von Leo­nar­do da Vin­ci zeigt. Dar­un­ter stand ge­schrie­ben: „Die­ses Bild ist nicht ganz kor­rekt. Ei­gent­lich müsst es jetzt Je­sus al­lei­ne am Tisch zei­gen, von sei­nen Jün­gern (d.h. un­se­ren Pfar­rei­en, die die Hl. Mes­se nicht mehr fei­ern) im Stich ge­las­sen…“

Als ich das las und sah, stell­ten sich mir zwei Fra­gen:

  • Ging es denn Je­sus nicht viel­mehr im­mer um die Men­schen, um ihr Heil an Leib und See­le? Wir neh­men ihn doch ge­ra­de dann ernst, wenn es uns auch dar­um geht.
  • Ist das wirk­lich un­ser Ver­ständ­nis von Lit­ur­gie und Spi­ri­tua­li­tät, dass wir Je­sus nur dann ver­bun­den sind, wenn wir mit ihm in der Kir­che Eu­cha­ris­tie fei­ern? Für mich ist Je­sus da, wo wir Men­schen al­lei­ne oder in un­se­ren Fa­mi­li­en be­ten und an ihn den­ken.

Beim wei­te­ren Nach­den­ken über die­ses Bild ge­fiel es mir im­mer bes­ser. Zeigt nicht ge­ra­de, dass Je­sus nicht mehr am Tisch sitzt, dass es ihn nicht da ge­hal­ten hat, son­dern dass er mit sei­nen Jün­gern (uns) hin­aus in die Welt ge­gan­gen ist? Dass er ge­ra­de bei uns ist, wenn wir uns nicht mehr in un­se­ren Kir­chen ver­sam­meln kön­nen. Dass er bei uns ist, wenn wir in Sor­gen auf die Zu­kunft schau­en, wenn wir uns fra­gen, wie wir, un­se­re Ge­sell­schaft mit der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on klar­kom­men wird.

Ich bin fel­sen­fest über­zeugt, dass Je­sus nicht al­lein in un­se­ren Kir­chen sitzt, weil sie in die­sen Ta­gen so leer sind, son­dern dass er bei Ih­nen ist, wo Sie auch sind, am Früh­stücks­tisch, im Ho­me­of­fice, im Ein­satz für ein­an­der. Ich wün­sche Ih­nen, dass Sie in die­ser Zeit mit sich, mit­ein­an­der, mit Gott neu ins Ge­spräch kom­men!

Dia­kon Marc Teu­ber