Im­puls zum 12. Sonn­tag im Jah­res­kreis (21.06.2020)

(Mt 10, 26–33)

Wenn wir heu­te ein Glau­bens­be­kennt­nis spre­chen, so ge­schieht dies wohl vor al­lem in ei­nem Got­tes­dienst. Es lohnt sich, ein­mal zu fra­gen, was ich wirk­lich glau­be, was hin­ter den kirch­li­chen Lehr­sät­zen steckt, die ich ge­wohn­heits­mä­ßig mit­spre­che. Noch viel span­nen­der kann es sein den Fra­gen nach­zu­ge­hen, die sich um den Men­schen Je­sus von Na­za­reth ran­ken, wer er war, was ihm wich­tig war, wo­für er ge­lebt hat, wo­für er starb.

Men­schen, die sich heu­te als Chris­ten be­ken­nen, kön­nen sich beim ge­naue­ren Hin­se­hen oder Hin­hö­ren zu ganz ver­schie­de­nen Glau­bens­in­hal­ten be­ken­nen. Sich zu Je­sus be­ken­nen er­for­dert zu­nächst, ihn ken­nen­zu­ler­nen, ihm zu­zu­hö­ren, nie aus­zu­ler­nen, ihm wie­der und aufs Neue gut zu­hö­ren, sich auf ihn ein­las­sen. Mehr und mehr kann sich so ei­ne ganz neue Welt er­schlie­ßen. Für Men­schen, die ihn und sei­ne Bot­schaft ent­deckt ha­ben, ist sie wie ein un­ver­gleich­lich wert­vol­ler Schatz.

War­um aber stieß Je­sus auch auf star­ken Wi­der­stand, selbst bei de­nen, die ihm an­fangs be­geis­tert ge­folgt sind, sich dann aber nicht mehr zu ihm be­ken­nen konn­ten? Et­was an sei­ner Bot­schaft ist ver­stö­rend an­ders, so sehr, dass der gan­ze Mensch da­von er­grif­fen wird, ihm ei­ne ganz neue Sicht­wei­se auf Gott, Men­schen und sich selbst ge­schenkt wird. Sei­ne Bot­schaft ist eben­so um­fas­send be­frei­end, er­mu­ti­gend und auf­bau­end wie sie tief­grei­fend her­aus­for­dernd und auf­rüt­telnd ist. Fast hat man den Ein­druck, wenn man das heu­ti­ge Evan­ge­li­um liest, sie hat et­was, wo­mit man vor­sich­tig sein müs­se, et­was, das man sich nur zu­flüs­tern kann (V 27). Sei­ne Ver­wand­ten hiel­ten Je­sus für ver­rückt. Was ist so ab­surd und un­mög­lich?

Es ist nor­ma­ler­wei­se nicht an­stö­ßig, Wohl­tä­tig­keit und Mit­mensch­lich­keit zu üben. An­stö­ßig aber ist die Ra­di­ka­li­tät der Lie­be, der Hoff­nung, des glau­ben­den Ver­trau­ens, die über je­des Maß, ja über je­des gän­gi­ge Ge­rech­tig­keits­emp­fin­den hin­aus­geht, die die Kraft hat, al­les ge­wohn­te Den­ken um­zu­wäl­zen, ge­sell­schaft­li­che Schran­ken auf­zu­bre­chen und das Mit­ein­an­der völ­lig neu zu ge­stal­ten. Die Evan­ge­li­en sind voll von solch ver­blüf­fen­den Ge­schich­ten und Gleich­nis­sen, die Je­sus er­zählt hat. Die un­er­hör­te Frei­heit, mit der er spricht und han­delt, wur­zelt in sei­nem Glau­ben und Ver­trau­en in Gott, „der Lie­be ist“, der liebt oh­ne je­de Vor­aus­set­zung und oh­ne je­des Maß. Muss nicht ge­ra­de die­ser Glau­be im Zen­trum je­des christ­li­chen Be­kennt­nis­ses ste­hen?! Und ist nicht auch ge­ra­de die­ser Glau­be mit sei­ner gan­zen Trag­wei­te für vie­le von uns Chris­ten äu­ßerst an­stö­ßig?

Auch wenn sie durch­aus nicht harm­los ist, die Bot­schaft soll ge­hört, bes­ser noch, zur Er­fah­rung wer­den. Was wür­de Je­sus heu­te da­zu sa­gen? Mehr noch als sich zu ihm zu be­ken­nen lä­ge ihm ver­mut­lich dar­an, dar­auf hin zu le­ben, was ihm selbst so viel be­deu­tet hat, wo­von er ganz er­füllt war. Dies wä­re dann ein ech­tes Her­zens­be­kennt­nis.

A. Teu­ber