Im­puls zum 24. Sonn­tag im Jah­res­kreis (13.09.2020)

(Sir 27,30 — 28,7; Röm 14,7–9; Mt 18,21–35)

Da wir nicht ver­traut sind mit den da­ma­li­gen Geld­wer­ten im al­ten Is­ra­el, ist es gut, sich das Gleich­nis (Mt 18,23–35) ein­mal ge­nau­er an­zu­schau­en. Es er­zählt nicht von ei­nem Kö­nig, der ge­ra­de ei­nen gu­ten Tag hat und dar­um groß­mü­tig sei­nem Die­ner, der hier und da in die ei­ge­ne Ta­sche ge­wirt­schaf­tet hat, die Schul­den er­lässt und ihm da­mit ein gu­tes Bei­spiel gibt, eben­so zu han­deln. Je­sus er­zählt hier von ei­nem Die­ner, der völ­lig über­di­men­sio­nal ho­he Schul­den ge­macht hat. (Je­mand hat aus­ge­rech­net, dass es sich um ei­ne Sum­me han­delt, die dem Wert von 100 Mil­lio­nen Ar­beits­ta­gen ent­sprach.) Nie wä­re er im­stan­de ge­we­sen, sie zu­rück­zu­zah­len. Sei­ne Kin­der und Kin­des­kin­der wä­ren Zeit ih­res Le­bens Skla­ven ge­blie­ben, um sei­ne Schul­den ab­zu­be­zah­len. Die­ser Mi­nis­ter, der in sei­ner Ver­zweif­lung um Auf­schub und Ge­duld bat, be­kam ei­nen völ­li­gen Er­lass all sei­ner irr­sin­nig ho­hen Schul­den.

Ver­mut­lich hat Je­sus sei­ne Zu­hö­rer da­mit an die­ser Stel­le schon in Sprach­lo­sig­keit ver­setzt. So ist Got­tes Lie­be. Auf die Fra­ge von Pe­trus, wie oft er ver­ge­ben müs­se, ant­wor­tet Je­sus ihm so. Er regt ei­nen Per­spek­tiv­wech­sel an. Er möch­te den Blick für je­ne Wirk­lich­keit öff­nen, die un­ser Le­ben trägt. Denn zu­al­ler­erst sind wir die schon über­reich Be­schenk­ten! Die wich­tigs­te Bot­schaft ist und bleibt die, die je­der­mann glei­cher­ma­ßen gilt: ein von Gott zu­tiefst ge­lieb­ter Mensch zu sein. Sie wird auch nicht da­durch in Fra­ge ge­stellt, dass am En­de aus dem barm­her­zi­gen Kö­nig ein zor­nig Stra­fen­der wird. Spie­geln sich hier nicht sehr mensch­li­che Er­fah­run­gen und Re­ak­tio­nen wi­der? Liegt der Grund da­für, dass Je­sus da­zu be­we­gen möch­te, wie­der und im­mer wie­der zu ver­ge­ben, nicht ge­ra­de dar­in, weil er von Got­tes Lie­be durch­drun­gen ist, die un­er­schöpf­lich und gren­zen­los ist?! Sie ist die Quel­le, die je­de mensch­li­che Lie­bes­fä­hig­keit im­mer aufs Neue nährt. Die Fra­ge, was ich muss und soll, kann sich dann wan­deln in den Wunsch, Ant­wort zu ge­ben und wei­ter­ge­ben zu kön­nen, was mir sel­ber im­mer schon ge­schenkt ist.

A. Teu­ber