(Ex 3 und 4; 1 Kön 19, 1–16; Ps 23; Röm 6, 3–11; Mt 28, 1–10)
Liebe Schwestern und Brüder,
die Osterfreude hat es in diesen Tagen wieder etwas schwer, um unser ganzes Herz zu ergreifen. Zu dunkel sieht es gerade in unserer Welt aus. Aber vielleicht ist es deswegen umso wichtiger, die Hoffnung zu feiern und dass die Liebe und das Leben nicht tot zu kriegen sind.
Denn das Leben ist ja immer komplex, Freude und Leid, Leben und Tod, alles liegt nahe beieinander, daran ändert auch das Wissen um Ostern nichts.
Alle Ostergeschichten erzählen uns, wie schwer es der Osterglauben hat, in unseren Herzen zu landen. Immer müssen unsere Herzen vom Himmel berührt werden, damit es darin Frühling werden kann.
In den Lesungen am heutigen Ostermorgen haben wir die Berufungsgeschichten des Mose und des Elia gehört. Eigentlich sind es Geschichten, die Gottes befreiende und heilende Gegenwart zusagen, nicht erst für die Ewigkeit, sondern schon jetzt. Ja, der/die „Ich bin da“ ist leise da, wie es Elias erfahren hat. Vielleicht übersehen und überhören wir deswegen manchmal auch seine Gegenwart, die uns stärken möchte, für das Leben einzutreten, vor und nach dem Tod.
Aber bevor wir das tun, muss uns das österliche Licht selber erleuchten und wärmen, vor allem da, wo uns scheinbar alle Hoffnungen verloren scheint. Da geschieht dann schon ein gewaltiges Herzbeben, wenn Engel vom Himmel herabkommen und uns endlich mit ihrer Hilfe ein Stein vom Herzen fällt.
Damit ist die Welt nicht gleich heil, sind Gräber trotzdem noch da, wird es immer wieder Karfreitage geben, reicht das Wissen um Ostern und Gottes Gegenwart nicht aus. Immer wieder muss uns auch das himmlische „Fürchte dich nicht“ zugesagt werden, müssen unsere verängstigten Herzen berührt und gewandelt werden, damit das Osterlicht seine Wirkung entfalten kann.
Auferstehung Jesu heißt auch, dass sein irdisches Leben, sein Reden und vor allem Tun, göttlich bestätigt ist. In ihm war und ist der/die „Ich bin da“ gegenwärtig, eine ewige, verletzliche Liebe, die niemand mehr auslöschen kann. Ostern heißt, der/die „Ich bin da“ ist immer als bedingungslose Liebe da, vor allem vor und nach dem Tod. Und wie Jesus wollen wir das Osterlicht einer unzerstörbaren Liebe, wo immer wir können und sind, entzünden. Vor allem aber möge es uns selbst immer wieder erleuchten, trösten, stärken und tragen, damit uns der/die „Ich bin da“ zu heilsamer Erfahrung wird und uns das „Fürchte dich nicht“ immer wieder mit österlicher Freude und Dankbarkeit erfüllt, heute, morgen und in Ewigkeit. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
