(Jes 66, 10–14a; 1 Joh 4, 7–10; Joh 2, 1–11)
Liebe Schwestern und Brüder,
eigentlich sollte zum Muttertag eine Mutter predigen und nicht ein Mann, der zudem keine Familie hat, wenn auch in anderer Weise. Was weiß ein zölibatär lebender Mensch schon von einer Mutter? Was wissen manchmal gar Ehemänner oder Partner von dem, was Mütter im Alltag so leisten, geschweige denn von alleinerziehenden Müttern?
Mütter brauchen heute nicht nur Blumen, sondern eine alltägliche Wertschätzung, auch strukturell und gesellschaftlich, für einen Dienst, oft im Verborgenen, der so unschätzbar wichtig ist!
Maria, die Mutter Jesu, teilt das Schicksal vieler Mütter, deren Leben oft zu unsichtbar verläuft. Theologen haben Maria zwar in den Himmel gehoben und ihr schwere Dogmen um den Hals gehängt, aber manchmal erscheint dies wie eine Flucht vor den realen Müttern, die selten offiziell heilig gesprochen werden.
Letztlich weiß man von dem Menschen und der Frau Maria herzlich wenig, so wenig, wie von fast allen Aposteln und Apostelinnen, von denen man oft nicht mehr als den Namen weiß und ein bisschen von dem, was die Glaubensgeschichten des Neuen Testamentes von ihnen erzählen.
Und wie schwer tun sich Männer wie Frauen oft damit, Gott selber das Bild einer Mutter zuzugestehen! Man ist ja nicht einmal bereit anzuerkennen, dass selbst Worte wie „Vater Sohn und heiliger Geist“ Bildsprache sind und Gott nicht als Männerverein beschreiben wollen.
Papst Johannes Paul I., der leider nicht lange gelebt hat, sprach in einer der ersten Reden davon, dass Gott zwar Vater, aber mehr noch Mutter sei. Das hat damals sicher bei vielen ein inneres Erdbeben ausgelöst.
Mütter sind also eher die Hintergrundarbeiterinnen, deren Leistung gerne übersehen wird, obwohl sie den ganzen Laden „Familie“ zusammenhalten. Und nicht nur den! Manchmal denke ich, dass es Gott oft auch genauso geht. Sie wird oft missbraucht für männlich, toxische Denkweisen, die problemlos Leben verhindern, anstatt zu gebären und zu schützen. „Wie eine Mutter ihr Kind tröstet, so tröste ich euch“, so hieß es heute bei Jesaja, und das brauchen gerade nicht nur Mütter, sondern viele Menschen, die nicht dauernd zusammengefaltet werden wollen.
Eine Mutter gibt für gewöhnlich alles für ihr Kind, mag es anstellen, was es will. Ihre Liebe ist so unglaublich, so unglaublich Gott uns liebt.
Ihre Liebe ist eine Gotteserfahrung, in der Menschsein reifen kann, ob man das mit Gott in Verbindung bringt oder nicht.
Die biblische Mutter Maria hat sicher auch viel gelitten, aber mehr noch hat sie viel geliebt und im Hintergrund viel Gutes bewirkt. Mütter schaffen es tatsächlich, aus Wasser Wein zu machen und ohne sie wäre die Welt um einiges kälter und ärmer. Das kann man mit fug und recht so auch von Gott behaupten, die uns Tag für Tag mit Liebe überschüttet und wir bemerken dass oft kaum.
Ich glaube mit einem könnten wir die Mütter, die Mutter Gottes und die „Mutter“ Gott nicht nur heute sehr beglücken, nämlich mit tatkräftiger, täglicher Dankbarkeit, was einfach nur ein anderes Wort für wertschätzende Liebe ist. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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