(Jes 66, 10–14a; Phil 4, 4–8; Joh 15, 9–17)
Liebe Schwestern und Brüder,
wenn wir also heute am Sonntag vor Rosenmontag über die Freude nachdenken wollen, dann muss man nicht unbedingt glühender Fan von Fasching sein. Aber auch da sollte ja eine gewisse gemeinsame Freude im Vordergrund stehen.
Wie schon in der Einführung gesagt, ist das Thema „Freude“ in der Bibel kein Rand‑, sondern ein Grundthema, bis dahin eben, dass das zweite Testament auch „Evangelium“, „Frohe Botschaft“, heißt.
Die Frohe Botschaft ist da die heilsame und liebevolle Gegenwart Gottes in Jesus Christus vor seinem grausamen Tod und danach in der Bestätigung dieser frohen Botschaft in der Auferweckung Jesu durch Gott.
Leider gab es dann in der Geschichte des Christentums eine gewisse Fixierung auf den Kreuzestod Jesu, so dass die Freude oft ziemlich vernachlässigt wurde.
Immer wieder bin ich begeistert darüber, wie viel Freude, Frohlocken und Jauchzen im ersten Testament vorkommen. Da kann manchmal das zweite Testament gar nicht mithalten.
Heute scheint es manchmal so, dass wir vor allem in einer Zeit schlechter Botschaften leben und sich manche mit ihrem schlechten Charakter in sozialen Medien austoben können, auch unter religiösem Deckmantel. Da demontieren freudlose Menschen die Freude und löschen Lichter der Freude aus und verletzen in ihrer Selbstgerechtigkeit Herzen und Seelen.
Wie also können wir die Freude fördern bzw finden, wenn sie uns irgendwie abhanden gekommen ist.
Zunächst einmal sollten wir unseren Blick auf alles lenken, was unser Herz und die Herzen anderer froh machen kann. Das Freudlose und Gehässige kommt in der Regel sehr laut daher. Das, was Freude schenkt, ist eher leise und hat fast immer mit der Erfahrung von Liebe zu tun und dem Geschenk an Heil für Seele und Leib, für ein Leben in Friede und Freiheit, in Wertschätzung, Respekt und Gesehen werden.
Im ersten Testament ist die Freude verbunden mit Befreiung und Heil, das Gottes Gegenwart bewirkt. Nicht anders ist es im zweiten Testament, in dem Jesu Verkündigung nicht nur verbal, sondern vor allem tatkräftig heilsam ist.
Menschen erfahren also hier und heute Heil, oft unverhofft und kaum noch erwartet.
Immer wieder hat Jesus auch Blinde geheilt, Blinde, die nicht nur körperlich blind waren. Darum bitten auch wir heute darum, die Gründe für Freude zu sehen und sie auch zu verteidigen.
„Wenn ihr das seht, wird euer Herz sich freuen und ihr werdet aufblühen wie frisches Gras“ (Jes 66, 14), so hieß es heute bei Jesaja in der ersten Lesung. Es heißt hier nicht „glauben“, sondern „sehen“, also erfahren.
Und es steht auch nicht überall gleich „Gott“ dran, wenn wir das Schöne, das Tröstliche und Erfreuliche sehen und erfahren dürfen.
Uns muss nicht „Hören und Sehen vergehen“. Halten wir Gott unsere Augen und Ohren hin, damit sie (wieder) sehen und hören können, wie viel Gründe zur wirklichen Freude es auch hier und heute gibt. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
https://gotteswort-weiblich.annette-jantzen.de/6‑sonntag-im-jahreskreis-a-segen
