Weih­nach­ten 2020

(Jes 9, 1–6; Lk 2, 1–14)

Pre­digt von P. Tho­mas Röhr OCT — Audioversion

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,

für Vie­le wird Weih­nach­ten die­ses Jahr mit Trau­er ver­bun­den sein, weil man nicht mit je­nen so un­kom­pli­ziert na­he sein kann, wie man es oh­ne Pan­de­mie könn­te. Das ist ein Schmerz, den man nicht we­gerklä­ren soll­te, in­dem man dar­auf ver­weist, dass man so eher zum Kern der Weih­nachts­bot­schaft durch­bre­chen könn­te. Zwar ist die­se Er­klä­rung durch­aus rich­tig, aber sie soll­te trotz­dem den Schmerz und die Trau­er ernst neh­men. Das soll­te man im Üb­ri­gen im­mer, egal ob es sich um die Zahn­schmer­zen ei­nes Kin­des oder den Tod ei­nes ge­lieb­ten Men­schen oder um die Ge­burt ei­nes Kin­des un­ter schwie­ri­gen Um­stän­den han­delt. Die Weih­nachts­ge­schich­te er­mu­tigt, dar­an zu glau­ben, dass mit­ten in den Fins­ter­nis­sen des Le­bens, mit­ten in al­len Län­dern des To­des­schat­ten, plötz­lich das Wun­der ei­nes un­er­war­te­ten Lich­tes auf­leuch­tet. Das kann vor, das kann auch nach dem Tod be­deu­ten. Das wird nicht der gro­ße Knall ei­nes Su­pere­vents sein, son­dern eher die Stil­le Nacht, die plötz­lich hei­lig wird, weil ein hei­li­ges Licht über un­se­re nacht­ge­plag­ten See­len und Her­zen strei­chelt. Es ist so wun­der­bar und er­freu­lich, dass ein Kind, in Win­deln ge­wi­ckelt, und in ei­ner Krip­pe lie­gend, Zei­chen gött­li­cher Nä­he sein soll. Und al­le El­tern wis­sen, dass das wirk­lich wahr ist.
Bit­te be­ach­ten wir: Got­tes Nä­he er­scheint be­vor­zugt so „un­gött­lich“, vor al­lem in den Näch­ten un­se­res Le­bens, aber nicht nur da. Denn ER er­scheint auch als Be­frei­er, der mit­ver­ant­wort­lich da­für ist, wenn drü­cken­de Jochs zer­bro­chen wer­den und neu­es, un­be­schwer­te­res Le­ben (wie­der) ge­schenkt wird. Ju­bel und gro­ße Freu­de sind hier­bei Kenn­zei­chen da­für, dass Got­tes Ge­gen­wart uns, wo und wie auch im­mer, be­rührt und auf­ge­rich­tet hat.
Drit­tens aber spre­chen wir Weih­nach­ten von „In­kar­na­ti­on“, von Mensch­wer­dung. Das ist mit die er­staun­lichs­te Bot­schaft, die in je­dem Win­kel un­se­rer Welt und Mut­ter Er­de gilt: wer­det Men­schen, seid Men­schen, die mensch­lich, so­li­da­risch, barm­her­zig, re­spekt­voll und lie­be­voll sind. Wo das ge­schieht, wo das viel­leicht wie­der neu zu­ge­las­sen wird, da er­eig­net sich Weih­nach­ten und mensch­li­ches Glück, da ist Nä­he Got­tes, lan­ge be­vor wir das dann re­li­gi­ös ver­ein­nah­men und deu­ten. Das ver­bin­det uns tat­säch­lich mit al­len Men­schen­ge­schwis­tern bzw. Men­schen gu­ten Wil­lens. Das macht uns sen­si­bel auch für un­se­re er­schöpf­ten Mit­ge­schöp­fe und un­se­re ge­schun­de­ne Mut­ter Er­de. Denn al­le seh­nen sich da­nach, dass uns Mensch­wer­dung und Mensch sein mehr und mehr ge­lin­gen mag, weil wir uns dann selbst als Mit­ge­schöp­fe und als Ge­schwis­ter an­de­rer Mit­ge­schöp­fe wahr­ge­nom­men ha­ben.
Weih­nach­ten heißt in Got­tes Na­men: re­det nicht nur von Weih­nach­ten, son­dern lebt es, 12 Mo­na­te lang. Amen.

(P. Tho­mas Röhr OCT)

Al­len, die un­se­re Home­page be­su­chen, wün­sche ich im Na­men des gan­zen Home­page-Teams (An­drea und Marc Teu­ber) trotz und in al­lem ein ge­seg­ne­tes, licht­er­füll­tes Weih­nachts­fest und ein be­hü­te­tes, gu­tes, neu­es Jahr 2021!