(Jes 9, 1–6; Tit 3, 4–7; Lk 2, 1–14)
Liebe Schwestern und Brüder,
in einem Zeitungsartikel hieß es unlängst, dass es wohl drei Typen für das Weihnachtsfest gäbe, nämlich den Großzügigen, den Pragmatiker und die Traditionalisten. Die Großzügigen und Pragmatiker sind sich eigentlich ziemlich ähnlich. Sie schenken gern, legen Wert auf gemeinsames Essen und Zeit mit der Familie. Das gilt natürlich auch für die Traditionalisten, nur dass bei diesen eben „noch religiöse Aspekte, Weihnachtsmusik und Bräuche besonders wichtig“ wären. Neue Trends, so in dem Artikel, seien ihnen nicht so geläufig.
Mit anderen Worten, sie sind ein bisschen altbacken und unmodern. Denn für die Großzügigen steht fest, dass sie das „moderne, gemeinschaftliche Weihnachten“ verkörpern. Und das ist im Grunde die Mehrheit.
Es liegt nahe, dass diese Feststellung in etwa das Verhältnis von religiös oder nicht religiös feiernden Menschen widergibt. Ein bisschen beschleicht mich da das Gefühl, dass die religiösen Menschen als etwas unmodern und hinterwäldlerisch dargestellt werden, aus welchen Gründen auch immer. Diese Wertung ist schon ziemlich problematisch, weil hier Menschen doch indirekt abgewertet werden.
Vielleicht müsste man sogar sagen, dass es noch einen vierten Typus gibt, nämlich den, der das Fest gänzlich ablehnt. Nicht selten tun das jene Menschen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben oder auch den Druck und die immensen Erwartungen, die an dieses Fest herangetragen werden können. Egal, zu welcher Gruppe man gehört, in allen kann genau dieses Problem vorhanden sein.
Was ist aber mit Menschen, die keine Familie haben oder die gerade einen geliebten Menschen sehr vermissen? Was ist mit den Menschen, die im Kriegs — und Krisengebieten leben müssen? Was ist mit denen, die alleine sind oder krank oder auf welche Weise auch immer gerade sehr belastet? Haben die eben Pech gehabt und sind sie aus der Moderne herausgefallen? Ich weiß, dass diesen Menschen die Botschaft „Frohe Weihnachten“ nicht besonders weiterhilft, auch nicht die tiefste, religiöse oder spirituelle Erklärung, dass sie unendlich geliebte sind und dass das Geheimnis des Himmels in die Dunkelheit ihres Lebens hineinleuchten will.
Aber vielleicht ist es ja doch ein bisschen tröstlich, dass alle möglichen Nächte „heilige“ sein können, weil genau darin das Wort lichtvoll hineingefallen ist: „du bist geliebt und niemals allein.“
Schön wäre es, wenn wir uns vor allem das immer wieder erfahrbar machen könnten, egal, zu welchem Typus wir zu Weihnachten oder auch sonst gehören mögen. Die einen machen das, weil sie religiös motiviert sind, andere, weil es so aus ihrem Herzen drängt. Modern oder unmodern spielt da keine Rolle mehr, wenn es um den letzten Inhalt dieses Festes geht, und daran sollten eben alle denken.
Ich bin jedenfalls dankbar für das Licht, dass schon der Prophet Jesaja in einem Kind so tröstlich ersehnt hat und dass mir auch heute aus Kinderaugen entgegenleuchtet und ‑lächelt. Amen.
(P. Thomas Röhr OCT)
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