Zwei­ter Sonn­tag nach Weih­nach­ten A (04.01.2026)

(Sir 24, 1–12; Eph 1, 3–18; Joh 1, 1–18)

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,

das Evan­ge­li­um, das wir eben ge­hört ha­ben, ist auch ein Weih­nachts­evan­ge­li­um und war lit­ur­gisch für „Weih­nach­ten-Am Tag“ vor­ge­se­hen. Wenn der Hei­li­ge Fran­zis­kus nur die­ses Weih­nachts­evan­ge­li­um ge­habt hät­te, dann wä­re es ihm wohl schwe­rer ge­fal­len, ei­ne Krip­pen­dar­stel­lung zu er­fin­den. Zu abs­trakt klingt die­ses Weih­nachts­evan­ge­li­um des Jo­han­nes, und das ist es ja auch.
Da ste­cken si­cher schö­ne, theo­lo­gi­sche Ge­dan­ken drin, aber es be­rührt uns nicht an­nä­hernd so, wie das Weih­nachts­evan­ge­li­um des Evan­ge­lis­ten Lu­kas.

Was in bei­den Weih­nachts­ge­schich­ten vor­kommt, ist ei­ne ge­wis­se Dis­so­nanz des Le­bens. Bei Lu­kas lan­det die hei­li­ge Fa­mi­lie im Stall von Beth­le­hem zur Ge­burt Je­su, bei Jo­han­nes wird im­mer wie­der be­tont, dass die Sei­nen ihn nicht auf­nah­men und das Licht nicht er­fasst ha­ben. Na­tür­lich will ich nicht zu de­nen ge­hö­ren, die das nicht ka­piert ha­ben. Aber ich be­fürch­te, dass die­ser Teil des Le­bens auch zu mir ge­hört, nicht nur zu mir, son­dern ir­gend­wie zu al­len, auch zu den Kir­chen.
Die Kir­chen tun ja manch­mal so, als wä­re nur sie es, die ver­stan­den ha­ben. Aber ich glau­be, dass das ei­ne glat­te Fehl­ein­schät­zung ist.

Über­haupt scheint mir, dass wir in der Pra­xis mit Weih­nach­ten ein gro­ßes Pro­blem ha­ben. Un­se­re tol­len und er­ha­be­nen Be­griff­lich­kei­ten von Gott pas­sen so gar nicht zu ei­nem Gott, der so ver­letz­lich und lie­bes­be­dürf­tig in die­sem Kind da­her­kommt. Wir wei­gern uns ge­ra­de­zu, dar­aus Kon­se­quen­zen zu zie­hen für die Pra­xis in un­se­rem Le­ben auf al­len Ebe­nen, auch struk­tu­rell. Das hat vor al­lem spä­ter Je­sus sel­ber ge­macht, der Fü­ße ge­wa­schen hat als Zei­chen ei­nes völ­lig an­de­ren Mit­ein­an­ders.
Da soll­te nie­mand, der sich auf ihn be­rief, an­de­re mit Fü­ßen tre­ten, we­der phy­sisch, psy­chisch, geis­tig oder geist­lich. Da soll­te man ler­nen, die Nä­he Got­tes vor al­lem in den Klei­nen zu se­hen, in dem, was so ver­letz­lich, lie­bes­be­dürf­tig und von Zu­wen­dung ab­hän­gig ist, und das sind doch letzt­end­lich wir al­le.
Kin­der sind ein Sa­kra­ment für die­se Wahr­heit. Der Evan­ge­list Jo­han­nes wagt ei­nen Satz, der al­le Flucht in rei­ne Geis­tig­keit und Abs­trakt­heit zer­trüm­mert, wenn er schreibt: „und das Wort ist Fleisch ge­wor­den“! (Joh 1, 14)
Da er­schre­cken al­le, die sich so ger­ne nur in der rei­nen Leh­re be­we­gen und ei­ne ge­wis­se Angst vor Mensch­lich­keit und Mensch­sein ha­ben. Wenn die Weih­nachts­bot­schaft nicht Fleisch und Blut wird, al­so nicht spür­bar, sicht­bar, be­rühr­bar wird, dann nimmt man ihn nicht auf, da hat man das Licht und das Le­ben nicht er­kannt.

Gott geht es im­mer zu­erst um das Le­ben, das hei­ler wer­den soll für Leib und See­le, für al­le Kin­der, die ein Sa­kra­ment für al­les Wehr­lo­se, Ver­letz­li­che und Gött­li­che sind.
Al­len aber, die die­se Bot­schaft auf­neh­men und le­ben, ha­ben die Macht er­langt, die un­glaub­li­che Wür­de ei­nes Got­tes­kin­des zu ha­ben und zu sein, mit oder oh­ne Tauf­schein. Das macht was mit uns, das will Fleisch wer­den, nicht nur im Kopf, son­dern vor al­lem im Her­zen, in un­se­rem Den­ken, Re­den und Tun. Und das wün­sche ich uns von Her­zen. Amen.

(P. Tho­mas Röhr OCT)

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