19. Sonn­tag im Jah­res­kreis (08.08.2021)

(1 Kön 19, 4–8; Eph 4, 30–5,2; Joh 6, 41–51)

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,
es scheint heut­zu­ta­ge vie­le Ar­ten von Jä­gern zu ge­ben. Die meis­ten tra­gen kei­ne Schuss­waf­fen. Ih­re Waf­fen sind in der Re­gel ih­re Zun­ge oder es sind ih­re Hän­de, die ei­ne Waf­fe be­die­nen, die Tas­ta­tur heißt. Die­se Waf­fen sind nicht we­ni­ger ver­let­zend und töd­lich als je­ne, wo vor­ne ei­ne Ku­gel her­aus­kommt. So gibt es auch Jä­ger, die Pla­gi­ats­jä­ger hei­ßen und in Dok­tor­ar­bei­ten von Pro­mi­nen­ten nach Zi­ta­ten su­chen, die nicht als sol­che ge­kenn­zeich­net sind. Das hät­ten ei­gent­lich je­ne Unis tun müs­sen, die die­se Ar­bei­ten an­ge­nom­men ha­ben. Aber sie konn­ten die­se Ar­bei­ten viel­leicht noch nicht so ge­nau le­sen bzw. hat­ten noch nicht die tech­ni­schen Mit­tel, um nach sol­chen Feh­lern zu su­chen.
Un­ter den Bi­bel­wis­sen­schaft­lern gibt es auch sol­che, die man als Pla­gi­ats­jä­ger be­zeich­nen könn­te, weil sie un­ter­su­chen, ob ei­ne Schrift wirk­lich vom be­haup­te­ten Ver­fas­ser stam­men kann. So hat man fest­ge­stellt, dass z.B. der Ephe­ser­brief sprach­lich, his­to­risch und theo­lo­gisch den hl. Pau­lus nicht als Ver­fas­ser ha­ben kann. Das be­trifft noch fünf an­de­re Brie­fe, die dem hl. Pau­lus zu­ge­schrie­ben wer­den, aber nicht von ihm sein kön­nen. Im heu­ti­gen Kon­text wä­re das schon ein star­kes Stück, in der An­ti­ke aber nicht. Man nennt das „Pseu­depi­gra­phie“. Der Na­me „Pau­lus“ war um 90 n.Ch. na­tür­lich ei­ne Au­to­ri­tät. Die woll­te der un­be­kann­te Ver­fas­ser des Ephe­ser­brie­fes nut­zen, um die Wich­tig­keit und Ver­bind­lich­keit sei­nes Brie­fes zu un­ter­strei­chen. Viel­leicht kann man das ein biss­chen mit je­nen ver­glei­chen, die für an­de­re Re­den schrei­ben. Aber egal, letzt­lich kommt es auf den In­halt an und der ist im Fal­le des Ephe­ser­brie­fes heu­te ganz gött­lich, je­sua­nisch, und wenn man so will, auch ganz pau­li­nisch. Nicht schö­ner kann man den Wil­len Got­tes und die Bot­schaft Je­su mit dem Satz zu­sam­men­fas­sen: „Führt eu­er Le­ben in Lie­be.“ (Eph 4, 5.2)
Das ist na­tür­lich sehr all­ge­mein ge­fasst und ge­sagt, und manch­mal bleibt es ein­fach bei dem Lip­pen­be­kennt­nis. So wer­den uns gleich drei Aspek­te die­ser Lie­be mit­ge­lie­fert: „Seid gü­tig zu­ein­an­der, seid barm­her­zig, ver­gebt ein­an­der.“ (Eph 4, 32) Das wol­len na­tür­lich die ein­gangs er­wähn­ten Jä­ger gar nicht hö­ren, denn in der Re­gel sind sie nicht gü­tig, noch barm­her­zig und von Ver­ge­bung hal­ten sie auch nichts. Soll­ten sie sich gläu­big oder re­li­gi­ös nen­nen, ha­ben sie na­tür­lich mit Gott nichts zu tun. Denn es heißt auch: „Ahmt Gott nach als sei­ne ge­lieb­ten Kin­der“. (Eph 4, 5.1)
Wenn wir ehr­lich sein wol­len, und das wol­len wir ja, müs­sen wir be­ken­nen, dass uns das Jä­ger­sein doch oft mehr liegt als die an­stren­gen­de Lie­be, wenn sie kon­kret wird. Las­sen wir uns nicht ent­mu­ti­gen, wenn wir nicht all­zu na­he an un­se­re heh­ren, christ­li­chen Zie­le her­an­kom­men. Tun wir in al­ler Ehr­lich­keit und mit der Lie­be, die uns ge­schenkt ist, das, was uns mög­lich ist. Dann wer­den wir schon ein biss­chen je­nen Gott nach­ah­men, der in sei­ner Lie­be so­wie­so un­über­treff­lich ist. Amen.

(P. Tho­mas Röhr OCT)