3. Fas­ten­sonn­tag C (20.03.2022)

(Ex 3, 1–15; 1 Kor, 10, 1–12; Lk 13, 1–9)

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,
der „lie­be Gott“ hat es mit uns Men­schen wahr­lich nicht leicht. Manch­mal fra­ge ich mich, war­um er so ver­rückt ist, uns so be­din­gungs­los zu lie­ben? Frei­lich nicht nur uns, son­dern al­le Ge­schöp­fe, sei­ne gan­ze Schöp­fung.
Wenn es Krieg gibt oder uns an­de­re Ka­ta­stro­phen be­las­ten, fra­gen gleich vie­le, wie­so das der lie­be Gott zu­las­sen kann. Als wä­re Gott ei­ne Ver­si­che­rung für ein leid­frei­es Le­ben, als wä­re er dann der Sün­den­bock, wo es doch kon­kre­te Men­schen sind, die oft un­er­mess­li­ches Leid ver­ur­sa­chen. Als wür­de er nicht auch Tag für Tag wun­der­vol­le Mo­men­te schen­ken, die wir na­tür­lich al­le für selbst­ver­ständ­lich hal­ten. Ich will jetzt kei­nes­wegs Gott ver­tei­di­gen. Das kann er durch­aus auch sel­ber tun. Ich will auch nicht leug­nen, dass mir vie­le Fra­gen auf der See­le las­ten, auf die Gott mir kei­ne ein­fa­che Ant­wort gibt. Aber ich mag es we­der bei Gott, noch bei Men­schen, wenn man gleich so si­cher weiß, wer der Sün­den­bock ist.
Die Ge­schich­te vom bren­nen­den Dorn­busch, die wir heu­te in der 1. Le­sung aus dem Buch Exo­dus ge­hört ha­ben, ist ei­ne der be­deu­tends­ten, die die Bi­bel ent­hält. Es geht nicht nur um die Be­ru­fung des Mo­se, son­dern vor al­lem um ei­ne tie­fe Got­tes­of­fen­ba­rung und ‑er­fah­rung. Denn Gott of­fen­bart sich hier nicht, um sich dar­über zu be­schwe­ren, dass die Men­schen nicht fromm ge­nug sind, son­dern weil er Un­recht und Un­ge­rech­tig­keit nicht mehr er­trägt, wo Men­schen sich schein­bar da­mit ab­ge­fun­den ha­ben. Und das gilt nicht nur im Hin­blick auf po­li­ti­sche, son­dern auch im Hin­blick auf kirch­li­che bzw. re­li­giö­se Ver­hält­nis­se.
Das ers­te, was wir al­so fest­hal­ten müs­sen, ist, dass Gott Krieg, Un­recht, Leid und Not kei­nes­falls egal ist, auch wenn er das of­fen­sicht­lich nicht ver­hin­dern kann. Er will die Be­frei­ung da­von, so­weit das auch in un­se­ren Hän­den liegt und mög­lich ist. Gott will im­mer das Le­ben und nicht den Tod. Da­für nimmt er so­gar selbst den Tod auf sich, wie wir in sei­nem Sohn Je­sus von Na­za­reth er­fah­ren ha­ben.
Das zwei­te aber, das nicht we­ni­ger wich­tig ist, ist sein Na­me „Jah­we“. Denn er deu­tet sein tiefs­tes We­sen. In der heu­ti­gen Le­sung wird er mit „Ich-bin“ wie­der­ge­ge­ben. Aber es ste­cken in ihm auch die Be­deu­tun­gen drin: „macht­voll spür­bar da sein“ oder „ich bin, der/die sich als wir­kungs­voll er­weist“. Als Kin­der war uns auch ein­fach wich­tig, dass die El­tern nachts und im Dunk­len da wa­ren. Das hat die Nacht nicht ver­scheucht, noch ver­kürzt. Aber die Zu­sa­ge der Nä­he, des Da­seins, hat uns ge­trös­tet und un­se­re Ängs­te et­was be­frie­det. Ge­nau­so ist es im Be­zug auf Gott. Er sagt sei­ne Nä­he zu, sei­nen Wunsch, po­si­ti­ve Ver­än­de­rung zu be­wir­ken, auch in der Not na­he zu sein. Und er ist es! Oh­ne ihn und sei­ne Zu­sa­ge wird nichts bes­ser.
Den­ken wir nicht zu eng, zu bes­ser­wis­se­risch von Gott und fes­seln wir ihn nicht mit den Ket­ten un­se­res Nicht­ver­ste­hens. Be­mü­hen wir uns mit Gott dar­um, dass es in der Welt und um uns her­um et­was fried­li­cher, ge­rech­ter und mensch­li­cher zu­geht. Dann wer­den wir viel­leicht se­hen und er­fah­ren, wie wahr der Na­me Got­tes ist. In Je­sus von Na­za­reth hat er auch ein wun­der­vol­les Ge­sicht, Hand, Fuß und Herz be­kom­men. Amen.

(P. Tho­mas Röhr OCT)