3. Sonn­tag im Jah­res­kreis C (23.01.2022)

(Neh 8, 1–10; 1 Kor 12,12–31a; Lk 4, 14–21)

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,
am 19. März die­sen Jah­res wer­den 11 Ju­gend­li­che aus un­se­rer Ge­mein­de das Sa­kra­ment der Fir­mung emp­fan­gen. Am En­de des Got­tes­diens­tes wer­den sie sich heu­te kurz vor­stel­len. Das Wort „Fir­mung“ kommt von dem la­tei­ni­schen Wort „fir­ma­re“ und be­deu­tet auf Deutsch „stär­ken“. Auch wenn uns mög­li­cher­wei­se heu­te die bi­bli­schen Tex­te recht fremd er­schei­nen, so möch­te ich den­noch nach Wor­ten su­chen, wor­in un­se­re Ju­gend­li­chen und wir be­stärkt wer­den kön­nen. Nun, beim Ver­le­sen der bi­bli­schen Tex­te heu­te hat nie­mand ge­weint, zu­min­dest ist es mir nicht auf­ge­fal­len. In der 1. Le­sung aus dem Buch Nehe­mia wei­nen die Leu­te, nach­dem sie die Wei­sun­gen Got­tes ge­hört und er­klärt be­kom­men ha­ben. Ver­mut­lich wa­ren es Trä­nen aus Trau­er, weil die Leu­te ja auf­ge­for­dert wer­den, nicht trau­rig zu sein. Aber wor­über wa­ren sie trau­rig? Viel­leicht spür­ten sie, wie groß Got­tes Lie­be und Er­bar­men ist, und wie groß die Kluft zwi­schen Glau­bens­be­kennt­nis­sen und Le­ben ist. Es ist ja manch­mal auch wirk­lich nicht leicht, Gott und all‘ un­se­re schö­nen Ge­dan­ken über ihn im kon­kre­ten, all­täg­li­chen Le­ben in Über­ein­stim­mung zu brin­gen. Wir wün­schen den Firm­lin­gen und uns erst ein­mal, ehr­lich und au­then­tisch un­ter­wegs zu sein und das Le­ben nicht in un­se­re noch so schö­nen Theo­rien zu zwän­gen. Vor al­lem aber wün­sche ich uns, dass der letz­te Satz der 1. Le­sung über un­se­rem Le­ben steht und uns ins Herz ge­schrie­ben ist, näm­lich: „Macht euch kei­ne Sor­gen; denn die Freu­de am Herrn ist eu­re Stär­ke!“ (Neh 8, 10). Für die Freu­de am Herrn wird manch­mal we­nig ge­tan, aber wir dür­fen uns freu­en über ei­nen Gott, der ein un­end­li­ches, lie­be­vol­les In­ter­es­se an uns und un­se­rem Le­ben hat. Dies gilt nicht erst, wenn wir uns für wür­dig oder an­de­re uns für wür­dig hal­ten. Das gilt auch nicht erst, wenn im Spie­gel über un­se­ren Köp­fen ein mo­ra­li­scher Hei­li­gen­schein zu se­hen ist. Das gilt von Gott her be­din­gungs­los, wie von je­der Lie­be, die die­sen Na­men ver­dient. Pas­sen­der­wei­se schlägt Je­sus im Evan­ge­li­um je­ne Je­sa­ja­s­tel­le auf, die be­schreibt, was der Geist des Herrn be­wirkt, nicht nur bei Je­sus, son­dern was er auch bei uns und den Firm­lin­gen be­wir­ken möch­te: wir sind ge­sandt, um de­nen, die sich arm­se­lig füh­len, die fro­he Bot­schaft zu sa­gen, dass sie un­end­lich ge­liebt sind. Wir dür­fen de­nen, die sich in Ängs­ten und Sor­gen ge­fan­gen füh­len, sa­gen, dass Gott sie be­frei­en will, und die, die nicht mehr durch­se­hen, sol­len wie­der Durch­blick be­kom­men für das, wor­auf es wirk­lich im Le­ben an­kommt. Schließ­lich wird al­len ei­ne wirk­li­che Frei­heit ver­hei­ßen, die sich vom Druck aus Zwän­gen und Vor­ur­tei­len wie zer­schla­gen füh­len. Aber be­vor wir ge­sandt sind, dür­fen wir das al­les für uns selbst er­hof­fen. Denn die Tau­fe ent­bin­det uns nicht von un­se­rem ge­bro­che­nen Mensch­sein. Und nur im Be­wusst­sein, selbst Be­schenk­te zu sein, kön­nen wir für an­de­re zu Schwes­tern und Brü­der wer­den. Ja, die­sen Geist wün­sche ich un­se­ren Firm­lin­gen und uns. Die­ser Geist muss uns im­mer wie­der neu da­zu be­frei­en.
Und Pau­lus spricht auch vom Geist, den wir al­le emp­fan­gen ha­ben, nicht nur die haupt­amt­li­chen Mit­ar­bei­ter. Der ei­ne Geist wirkt in vie­len Ga­ben, wirkt in Ver­schie­den­hei­ten, die nicht als Be­dro­hung, son­dern als Be­rei­che­rung emp­fun­den wer­den sol­len. Ju­gend­li­che wol­len auch mit ih­ren Ga­ben ernst ge­nom­men wer­den, wie al­le Ge­mein­de­mit­glie­der. Mö­gen doch kirch­li­che Ver­ant­wor­tungs­trä­ger se­hen und ach­ten, was der Geist wirkt. Mö­gen al­le selbst­be­wusst aus der Kraft die­ses Geis­tes zu le­ben ver­su­chen, der uns zeigt, wie sehr wir al­le auf­ein­an­der an­ge­wie­sen sind und wie sehr wir in So­li­da­ri­tät ein­an­der zur Sei­te ste­hen sol­len. Vor al­lem aber möch­te er uns mit­ein­an­der zu je­ner Er­fah­rung füh­ren, die da lau­tet: „Die Freu­de am Herrn ist un­se­re Stär­ke!“. Amen.

(P. Tho­mas Röhr OCT)