Fest der Ver­klä­rung des Herrn (06.08.2023)

(2 Petr 1, 16–19; Mt 17, 1–9)

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,
wir dür­fen die Ver­klä­rungs­ge­schich­te nicht le­sen wie ei­nen his­to­ri­schen Be­richt. Die Evan­ge­lis­ten schrie­ben ih­re Evan­ge­li­en auch nicht für ei­ne welt­wei­te Chris­ten­heit, son­dern für je­ne Ge­mein­den, in de­nen sie leb­ten. Vor al­lem aber soll­ten Je­sus, sei­ne Wor­te und Ta­ten, nicht ver­ges­sen wer­den. In­so­fern sind die Evan­ge­li­en ein Wun­der des Hei­li­gen Geis­tes, der so­zu­sa­gen in tief­grün­di­gen Ge­schich­ten deut­lich ma­chen möch­te, wer die­ser Je­sus war und für uns ist.
Ob man Je­sus zu sei­nen Leb­zei­ten wirk­lich schon so wahr­ge­nom­men hat, sei da­hin­ge­stellt. Auf je­dem Fall war er für vie­le je­mand, der dem Her­zen Got­tes be­son­ders na­he stand. Die Ver­klä­rungs­ge­schich­te un­ter­streicht das noch­mal, be­son­ders im Evan­ge­li­um vor der Pas­si­ons­ge­schich­te Je­su, die ja für vie­le ei­ne Ka­ta­stro­phe war.
Im Grun­de se­hen wir im Berg der Ver­klä­rung auch un­se­re ei­ge­ne Zu­kunft bei und mit Gott, in der je­der von uns hin­ein­ver­wan­delt wird in das ewi­ge Licht der Un­end­lich­keit Got­tes. Aber war­um er­schei­nen noch Mo­se und Eli­ja? Oft wird ge­sagt und ge­schrie­ben, dass sie das Ge­setz und die Pro­phe­ten re­prä­sen­tie­ren, in de­nen Je­sus so­zu­sa­gen zur Er­fül­lung kommt. Aber war­um sol­len Mo­se und Eli­ja aus­ge­rech­net und nur für Ge­setz und Pro­phe­ten ste­hen? Dies ist ge­nau­so kurz ge­grif­fen und ein­sei­tig be­schrie­ben, wie man Je­sus im­mer nur auf das Kreuz re­du­ziert. Ste­hen Mo­se und Eli­ja nicht viel­mehr für be­son­de­re Got­tes­er­fah­run­gen?
Mo­se ist es doch, der im bren­nen­den Dorn­busch „Jah­we“ er­fährt, den „ICH BIN DA“, der nicht zu­erst Ge­set­ze über­gibt und Ge­set­zes­ge­hor­sam ver­langt, son­dern ir­di­sche Be­frei­ung aus al­ler und jeg­li­cher Art von Skla­ve­rei­en und Un­ter­drü­ckung will. Gott will als zum Le­ben Be­frei­en­der ver­stan­den und ge­liebt wer­den, hier und in al­le Ewig­keit.
Eli­jas Got­tes­er­fah­rung am Berg Horeb lässt ei­nen Gott auf­schei­nen, der nicht ge­walt­sam, be­ängs­ti­gend und spek­ta­ku­lär da­her­kommt, son­dern in ei­nem sanf­ten, lei­sen Säu­seln, das ge­ra­de­zu zärt­lich er­scheint. Nicht der Kampf ge­gen an­de­re Re­li­gio­nen ist Got­tes Sa­che, son­dern die Bot­schaft sei­ner Zärt­lich­keit und ei­nes zärt­li­che­ren Mit­ein­an­ders, das zu al­len Zei­ten drin­gend not­wen­dig und not-wen­dend ist.
Ist die­ser Je­sus nicht ge­nau die per­so­ni­fi­zier­te Be­stä­ti­gung die­ser Got­tes­er­fah­run­gen, mit sei­ner Bot­schaft, sei­nem heil­sa­men Le­ben, sei­ner Lie­be und dem Fest­hal­ten an ihr bis zum Tod am Kreuz? Die­se Bot­schaf­ten ge­hö­ren tat­säch­lich nicht nur in Hüt­ten, Tem­peln, Kir­chen und an­de­re Got­tes­häu­ser. Sie sol­len in die Her­zen der Men­schen und sie zum Le­ben und zur Lie­be be­frei­en.
In der Ver­klä­rungs­ge­schich­te wer­den wir wei­ter­hin ra­di­kal auf Je­sus ver­wie­sen. Vor al­lem auf ihn sol­len wir hö­ren, auf das, was er ge­sagt und vor al­lem heil­sam für Men­schen ge­tan hat. Da­mit be­stä­tigt er Mo­se und Eli­ja in ih­ren Got­tes­er­fah­run­gen. Auch uns will Je­sus im Tiefs­ten be­rüh­ren, uns auf­rich­ten und zu­sa­gen, was er im­mer zu­sa­gen möch­te: „Steht auf und fürch­tet euch nicht!“ (Mt 17,7)
Wie heißt es dann wei­ter? „Und als sie auf­blick­ten, sa­hen sie nie­man­den au­ßer Je­sus al­lein“ (V8). Ge­nau dar­auf grün­det sich im Letz­ten un­ser Glau­be und Halt, ob mit oder oh­ne Kir­che. In je­dem Fall ist sei­ne Bot­schaft ei­ne Bot­schaft be­frei­en­der Nä­he und ei­ner Got­tes­be­zie­hung, des­sen Fun­da­ment vor al­lem Ver­trau­en und Zärt­lich­keit sein sol­len.
Amen.

(P. Tho­mas Röhr OCT)