Hoch­fest Christ­kö­nig (21.11.2021)

(Dan 7, 2a.13b-14; Offb 1, 5b‑8; Joh 18, 33b-37)

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,
das Leit­wort des heu­ti­gen Dia­spo­ra-Sonn­ta­ges „Wer­de Lie­bes­bo­te!“ greift si­cher­lich das zen­tra­le An­lie­gen Je­su auf. Er hat uns kund­ge­tan in Wort und Tat, dass die Lie­be zu Gott und zu un­se­ren Nächs­ten, (die Mit­ge­schöp­fe ein­ge­schlos­sen), das Fun­da­ment des Wil­lens Got­tes ist und ei­nes Chris­ten­le­bens sein muss. Ja, man muss so­gar sa­gen, dass die­ses Leit­wort drin­gend in ei­ner Welt ge­lebt wer­den muss, die schein­bar auf vie­len Ebe­nen er­heb­li­che Mü­he mit dem gro­ßen Wort „Lie­be“ hat. Aber da soll­ten wir uns als Kir­che na­tür­lich nicht hin­stel­len und so tun, als müss­ten wir das der sog. „Welt“ ans Herz le­gen, die so­wie­so meis­tens in un­se­ren Be­trach­tun­gen über sie schlecht weg­kommt. Nein, das soll­te sich die Kir­che zu­erst ein­mal sel­ber sa­gen, die gro­ße Mü­he hat, das Wort der Lie­be mit Le­ben und kon­kre­ten Ta­ten zu fül­len. Es ist auch leicht ge­sagt, dass man Je­sus nach­fol­gen möch­te. Aber wenn es dar­um geht, sei­ner kon­kre­ten Lie­be nach­zu­fol­gen, ver­wei­sen wir ger­ne auf das Kir­chen­recht, die Welt­kir­che oder die Bü­cher über Leh­re und Mo­ral. Je­sus steht ja nicht vor Pi­la­tus um des Glau­bens wil­len, son­dern um der Lie­be wil­len. Um die Wahr­heit die­ser Lie­be ging es ihm doch. Um die Wahr­heit der Lie­be geht es auch heu­te und im­mer. Auch, wenn das Jo­han­nes­evan­ge­li­um et­was an­de­res na­he zu le­gen scheint, Je­sus hät­te sich nie in Wirk­lich­keit als Kö­nig be­zeich­net. Da legt der Evan­ge­list schon sein Be­kennt­nis in den Mund Je­su. Nur du, Je­sus, so will er sa­gen, nur du bist mein Kö­nig und sonst nichts, weil du Lie­be bist, und zwar kon­se­quent bis in den Tod. Wie schnell fal­len wir Men­schen um, wenn un­se­ren Wor­ten Ta­ten fol­gen sol­len, wenn wir we­gen der Lie­be be­lä­chelt, an­ge­fein­det oder gar be­droht wer­den. Aber Je­sus ist nicht um­ge­fal­len, man hat ihn auf sei­ne Lie­be fest­ge­na­gelt. Wer hät­te denn den Mut, sich ne­ben Je­sus zu stel­len, wenn es hart auf hart kommt, wenn das leicht ge­sag­te „Wer­det Lie­bes­bo­te!“ mit Hass, Ab­leh­nung, ja Ge­walt bom­bar­diert wür­de? Hin­zu kommt doch, dass die Kräf­te un­se­rer Lie­be an ei­nem sei­de­nen Fa­den hän­gen, wenn un­se­re Ner­ven blank lie­gen und uns das Le­ben wirk­lich al­les ab­ver­langt!
Da steht nun Je­sus heu­te am Christ­kö­nigs­sonn­tag vor Pi­la­tus und sieht so gar nicht nach Kö­nig aus und ist es trotz­dem. Wäh­rend Men­schen mit Kö­nig in der Re­gel Macht ver­bin­den, die über an­de­re herrscht, not­falls mit Ge­walt und Angst, ver­bin­det Gott in Je­sus da­mit ein­zig die Macht der Lie­be. Kö­ni­ge und Kö­ni­gin­nen sind für ihn al­le, die in ei­ner oft har­ten und kal­ten Welt trotz­dem ein biss­chen Lie­be zu le­ben ver­su­chen. Sie ste­hen nicht sel­ten ziem­lich blöd vor den „Pi­la­tus­sen“ und Mas­sen der Lie­be­lo­sen da. Aber sie sind die, die die Welt tat­säch­lich ret­ten, auch wenn Man­ches schein­bar nicht mehr zu ret­ten ist. Wenn wir heu­te al­so Christ­kö­nig fei­ern, dann fei­ern wir den Lie­bes­bo­ten Got­tes und in ihm al­le, die, so gut sie kön­nen und es ih­nen ge­ge­ben ist, es ihm gleich­tun wol­len. Wir soll­ten ge­ra­de heu­te al­len, die uns Lie­bes­bo­ten sind, ein herz­li­ches Dan­ke sa­gen. Und viel­leicht be­kom­men wir ja auch eins. Von Gott her be­stimmt! Amen.

(P. Tho­mas Röhr OCT)