Os­tern 2021 (04.04.2021)

(Ex 3; Röm 6, 1–11; Mk 16, 1-8)

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,
wel­chen Grund kann je­mand ha­ben, den letz­ten Vers des Os­ter­e­van­ge­li­ums (V8) im Lek­tio­nar ein­fach weg­zu­las­sen? In Vers 8 heißt es: „Da ver­lie­ßen sie (die Frau­en) das Grab und flo­hen; denn Schre­cken und Ent­set­zen hat­te sie ge­packt. Und sie sag­ten nie­mand et­was da­von, denn sie fürch­te­ten sich.“ Ich glau­be, da kann es nur ei­nen Grund ge­ben, die­sen Vers weg­zu­las­sen: er passt schein­bar nicht zu ei­ner be­stimm­ten Vor­stel­lung vom Os­ter­glau­ben. Wie will man auch mit ei­nem sol­chen Vers aus vol­ler Keh­le „Hal­le­lu­ja“ sin­gen? Es ist scha­de, dass wir uns so oft Vie­les zu­recht­bie­gen, bis es in un­se­re Vor­stel­lung passt! Da­bei ist die­ser letz­te Vers so wich­tig und tröst­lich und ty­pisch für je­de Art von Os­ter­glau­ben. Denn egal, in wel­chem Evan­ge­li­um wir le­sen, der Os­ter­glau­be wur­de al­len über­ra­schend durch Je­sus selbst ge­schenkt. Na­tür­lich hät­te sich schon die Hoff­nung heim­lich in den Her­zen aus­brei­ten kön­nen. Denn schließ­lich glaub­ten ja al­le an den „Ich-bin-da“, an je­nen al­so, der schon vor dem Tod Os­tern stif­tet, in­dem er zum Le­ben und zur Wei­te be­freit, her­aus­führt aus al­lem, was Hoff­nungs­lo­sig­keit, Angst, Un­ter­drü­ckung, Ver­zagt­heit und ver­küm­mer­tes Le­ben be­deu­tet. Aber manch­mal ist das Le­ben so schmerz­lich „re­al“, dass sich un­se­re Träu­me, un­se­re Hoff­nun­gen, ja un­ser Glau­be oft zu schnell in Luft auf­lö­sen.
Aber es gibt Men­schen, wie Ma­ria aus Mág­da­la, Ma­ria, die Mut­ter des Ja­ko­bus und Sa­lo­me, bei de­nen sich ei­nes nicht auf­ge­löst hat, und das war ih­re treue Lie­be zu Je­sus. Ih­re Lie­be hat­te die Kraft, Je­sus am Kreuz ver­re­cken zu se­hen, denn das Kreuz war kein Ster­be­bett. Das war kein Hel­den­tod, das war ein ganz und gar mensch­li­cher Tod, so mensch­lich wie al­les an Je­sus und sei­nem Le­ben war. Und die­se Lie­be der Frau­en en­de­te nicht mit dem Tod, son­dern wuchs dar­über hin­aus. In­so­fern brann­te schon Os­tern in ih­nen, weil al­le Lie­be schon ei­ne Os­ter­er­fah­rung ist. Der Os­ter­glau­be hat sehr viel mit Lie­be zu tun, mit al­len Hö­hen und Tie­fen, die ei­ne je­de Lie­be kennt. Das gilt für Gott na­tür­lich auch, des­sen Lie­be zu glau­ben die Men­schen sich im­mer wie­der schwer­tun, be­son­ders dann, wenn das Le­ben schwer und un­ver­ständ­lich wird. So kennt jeg­li­cher Os­ter­glau­be Furcht und Ent­set­zen, denn so selbst­ver­ständ­lich ist eben kein Ver­trau­en, schon gar nicht, wenn uns das un­end­li­che Ge­heim­nis be­rührt und über­wäl­tigt. Was die Frau­en da er­leb­ten, war nicht er­war­tet, war und ist nicht ein­fach vor­stell­bar. Des­we­gen hat­ten sie Angst, es zu er­zäh­len. Denn man wür­de sie doch eh für ver­rückt hal­ten und als Zeu­gin­nen nicht ernst neh­men. Aber ih­re Lie­be war schon so wun­der­bar ver­rückt und stark, so dass Os­ter­er­fah­rung ei­gent­lich wie­der­um nicht so über­ra­schend war. Sie hat­ten et­was Un­glaub­li­ches er­lebt, schon am Kar­frei­tag. Os­tern war das un­glaub­li­che Wun­der, dass ih­re Lie­be nicht um­sonst war, dass die Lie­be, vor al­lem Je­su Lie­be, Recht hat vor und nach dem Tod.
Was für die Frau­en gilt, gilt erst recht für Je­sus und Gott. Ih­rer Lie­be kann man wirk­lich nichts mehr hin­zu­fü­gen. Das Kreuz ist ein Lie­beszei­chen und kein Süh­ne- oder Op­fer­zei­chen. Mö­ge uns Gott doch die­ses Ver­trau­en ins Herz und ans Herz legen!

Der Os­ter­glau­be ist ein Weg, viel­leicht ein le­bens­lan­ger, mit Hö­hen und Tie­fen, mit Furcht und Ent­set­zen. Ste­hen wir zu ei­nem Glau­ben, der kein Be­sitz­stand, son­dern ein dy­na­mi­scher Pro­zess ist, an des­sen En­de ver­mut­lich im­mer et­was mehr Schwei­gen und ein di­ckes „Dan­ke“ ste­hen. Amen.

(P. Tho­mas Röhr OCT)