Os­ter­pre­digt (12.04.2020)

(Mt 28, 1–19)

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,
lie­be Le­se­rin­nen und Le­ser!
Wie ich von Os­tern pre­di­gen soll, ha­be ich mich schon lan­ge vor Os­tern ge­fragt. Es ist doch ein Un­ter­schied, ob ich in Frie­dens- oder in Kriegs­si­tua­tio­nen, in ge­sun­den oder in Co­ro­na­zei­ten, im Flücht­lings­la­ger oder in ei­nem wohl­ha­ben­den Land le­be. Im­mer und über­all frei­lich gibt es „Näch­te“, Näch­te der Sor­ge und Angst, Näch­te ver­lo­re­ner Lie­be oder ver­lo­re­ner Hoff­nun­gen, Näch­te zu­sam­men­ge­fal­le­ner Si­cher­hei­ten, Näch­te ent­glit­te­ner, schein­ba­rer Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten, Näch­te des Schre­ckens, Näch­te des Nicht­ver­ste­hens und Nicht­mehr­wei­ter­wis­sens.
Näch­te müs­sen nicht un­be­dingt nur ei­ne Ka­ta­stro­phe sein, ob­wohl sie es oft sind. In Näch­ten z.B. dür­fen wir schla­fen, in Näch­ten kommt der Tag zur Ru­he, in Näch­ten legt sich Stil­le um lärm­ge­plag­te Oh­ren und Her­zen. Liegt man wach und kann aus ver­schie­dens­ten Grün­den nicht schla­fen, dann wird die Nacht lang und nimmt schein­bar kein En­de. Die Näch­te ha­ben al­so, wie so vie­les, zwei oder meh­re­re Ge­sich­ter. Und nicht zu früh soll­te man Hal­le­lu­ja sin­gen, wo Nacht und Not noch an­ge­nom­men, aus­ge­hal­ten und, wenn mög­lich, über­wun­den wer­den müs­sen. Dar­an än­dert auch das Wis­sen um Os­tern nichts, auch das Hö­ren da­von al­lei­ne nicht.
Die Jün­ge­rin­nen und Jün­ger Je­su hat­ten in sei­nen Wor­ten zwar da­von ge­hört, ver­stan­den es aber noch nicht, zum Glau­ben frei­lich fan­den sie schon gar nicht.
Rich­tig mu­tig und tap­fer wa­ren Ma­ria Mag­da­le­na, die an­de­re Ma­ria und die an­de­ren Frau­en. Sie hiel­ten die schreck­li­che Nacht des Kar­frei­tags bis zum bit­te­ren En­de aus. Sie sa­hen ih­re Lie­be, ih­ren Ge­lieb­ten und den Lie­ben­den, die Lie­be, qual­voll ster­ben. Et­was Schreck­li­che­res ist kaum vor­stell­bar. Die Nacht könn­te nicht fins­te­rer sein.
Nie­mand war Zeu­ge der Auf­er­ste­hung, so auch nicht beim sog. „Ur­knall“. Aber das Be­ben war ge­wal­tig, die Hin­ter­grund­strah­lung der ös­ter­li­chen Ex­plo­si­on strahlt bis heu­te. Es brach et­was auf, was end­gül­tig be­gra­ben schien. Kei­ne Rück­kehr des Al­ten und Ge­wohn­ten, nir­gend­wo. Et­was un­aus­sprech­lich Neu­es, et­was, das über­haupt erst den Na­men „Le­ben“ ver­dient, brach auf. Wie kann das sein? Wie kann es sein, dass das hoff­nungs­vol­le und schwer ent­täusch­te Le­ben von Frau­en und Män­nern plötz­lich gänz­lich auf den Kopf ge­stellt wur­de? Aber, so muss man doch auch sa­gen: ist nicht je­der Mor­gen ein Os­ter­mor­gen? Ist nicht al­les Le­ben ein un­er­klär­li­ches Wun­der? Mö­ge Os­tern zu­gleich ein Auf­wa­chen die­ser Er­kennt­nis sein! Mö­ge die­se Er­kennt­nis zu ei­ner per­sön­li­chen Er­fah­rung wer­den, die nicht nur an ein „Le­ben da­nach“ glaubt, son­dern das Le­ben, (nicht nur das ei­ge­ne), über al­les liebt, wert­schätzt und sys­tem­re­le­van­te Ver­än­de­run­gen auf den Weg bringt in Kir­che und Ge­sell­schaft! Os­tern heißt: die Lie­be hat recht, die Lie­be bleibt, über den Tod hin­aus, für im­mer und ewig. Sie ist die blei­ben­de Hin­ter­grund­strah­lung des gött­li­chen Lie­bes­ur­knalls von An­fang an bis in al­le Ewig­keit, Al­pha und Ome­ga eben, wie es auf un­se­ren Os­ter­ker­zen steht, wie es in al­lem und in al­len ver­bor­gen ein­ge­schrie­ben ist.
Ma­ria Mag­da­le­na und die an­de­re Ma­ria sind Zeu­gin­nen da­für, dass der Ge­lieb­te, dass die Lie­be, lebt und sie be­rührt hat und ih­nen „er­schie­nen“ ist. Sie sind die Apos­to­lin­nen der Apos­tel, die oh­ne­hin im­mer Mü­he ha­ben, der Lie­be zu glau­ben und dem Le­ben, das sie er­schafft.
Für uns Chris­ten hat das Ge­heim­nis der Lie­be und des Le­bens ei­nen Na­men: Je­sus, der uns das Ge­heim­nis des „Ich BIN DA“ heil­sam er­fahr­bar und ver­kün­det hat.
Auch das heu­ti­ge Os­tern lässt die Näch­te nicht ver­schwin­den. Aber es er­leuch­tet sie und schenkt Hoff­nung und Kraft für JETZT und das DANACH.
Die­ses Licht wün­sche ich uns im Na­men mei­ner Mit­brü­der und des Home­page-Teams. Mö­ge es uns ver­wan­deln, da­mit es „mor­gen“ und „da­nach“ nicht ein­fach so wei­ter­geht, wie bis­her. Mö­ge die ös­ter­li­che Hin­ter­grund­strah­lung un­ser In­ne­res und un­ser Le­ben er­leuch­ten.
Ge­seg­ne­te, hoff­nungs­vol­le und fro­he Os­tern euch al­len! AMEN!

Eu­er / Ihr

P. Tho­mas Röhr OCD

Kar­mel Bir­ken­wer­der