Pa­tro­nats­sonn­tag 2021 (17.10.)

(Te­re­sa CV 40,4 / s.u.; Röm 8, 14–16; Mk 10, 35–45)

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,
Te­re­sa war zu ih­rer Zeit ei­ne fas­zi­nie­ren­de Frau, die den Mut hat­te, ih­rer ei­ge­nen Er­fah­rung zu trau­en und ih­ren ei­ge­nen Weg zu ge­hen, auch ge­gen den Wi­der­stand kirch­li­cher Krei­se. Dar­in ist sie uns bis heu­te Vor­bild und Er­mu­ti­gung, vor al­lem für je­ne, die ge­ra­de mit Kir­che ein gro­ßes Pro­blem ha­ben. Die­ses Pro­blem stellt an uns al­le die Fra­ge, auf was sich ei­gent­lich un­ser Glau­be grün­det und ob er auch von ei­ge­ner Er­fah­rung ge­deckt ist. Te­re­sa wä­re die letz­te ge­we­sen, die von sich be­haup­tet hät­te, sie hät­te kei­ne Schwä­chen und Feh­ler, die es im­mer wie­der in al­ler De­mut an­zu­neh­men gilt. Auch sog. „Hei­li­ge“ sind Kin­der ih­rer Zeit, sie ha­ben Schwä­chen, Feh­ler und Irr­tü­mer. War­um ver­bin­den wir mit „hei­lig“ nur mo­ra­li­sche Per­fek­ti­on und ein re­li­giö­ses Leis­tungs­den­ken? „Hei­lig“ ist doch kei­ne ei­ge­ne Leis­tung, son­dern hei­lig macht uns im­mer die Lie­be. Zu­erst die Lie­be, die Gott und an­de­re uns schen­ken und die uns viel­leicht be­fä­higt, sie wei­ter­zu­ge­ben. Auch im Klos­ter gilt kein an­de­res Ge­setz als das Ge­setz der Lie­be, ob man nun kon­tem­pla­tiv oder eher ak­tiv lebt. Oh­ne­hin ge­hört bei­des zu­sam­men, egal in wel­chem Le­bens­stand man lebt. Und nur, weil man in ei­nem kon­tem­pla­ti­ven Klos­ter viel­leicht mehr Zeit zum Me­di­tie­ren und Be­ten hat, ist man nicht des­we­gen schon ein bes­se­rer Christ und Mensch! Trotz­dem aber be­wun­dern wir eher aus­ge­fal­le­ne Fröm­mig­keit mehr als je­ne stil­le Lie­be, die nicht viel Auf­he­bens von sich macht. Das ist die Täu­schung und Il­lu­si­on, vor der Te­re­sa in un­se­rer ers­ten Le­sung heu­te warnt und der auch heut­zu­ta­ge nicht we­ni­ge er­lie­gen. Da ge­fällt man sich in stren­ger Re­li­gio­si­tät oder in ei­nem aus­ge­feil­ten, geist­li­chen Le­ben, lebt aber am Geist der Lie­be ganz vor­bei. Te­re­sa hat klar er­kannt: was nicht Lie­be her­vor­bringt bzw. stärkt, ist we­der kon­tem­pla­tiv, noch fromm. Das ist für Kon­tem­pla­ti­ve und From­me si­cher schwer zu er­tra­gen, wenn sie eher auf re­li­giö­se Leis­tung, denn auf Lie­be set­zen. Ob das dann wirk­lich echt ist, wird man dar­an er­ken­nen, ob man sich selbst oder an­de­re groß macht, ob man wirk­lich be­reit ist, „Die­ner“ oder „Skla­ve“ al­ler zu sein, wie wir heu­te auch im Evan­ge­li­um hö­ren. Na­tür­lich brau­chen wir heu­te kei­ne Die­ner und Skla­ven mehr und nie­mand soll sich da­zu ma­chen las­sen, was ja oft lei­der ge­schieht. Nein, hin­ter „Die­ner“ und „Skla­ve“ steht ei­ne Hal­tung, die sich nicht selbst zum Mit­tel­punkt und Na­bel der Welt macht. Das je­den­falls ist schon ei­ne Form der Lie­be, um der es Te­re­sa und Je­sus geht. Wenn nicht, schreibt Te­re­sa al­len Re­li­giö­sen und From­men, auch Amts­per­so­nen und Re­li­gi­ons­ver­tre­tern, ins Stamm­buch, dass sie Grund zu Furcht und Sor­ge ha­ben und dem Pro­blem auf den Grund ge­hen müs­sen.
Wie ge­sagt, nie­mand muss per­fekt sein, auch im Lie­ben nicht. Nie­mand, au­ßer Gott, kann nur Lie­be in Per­son sein. Aber in die­se Rich­tung muss es ge­hen. Dann sind wir vom Geist Got­tes ge­lei­tet und nicht von der Ehr­sucht. Dann hei­ßen wir „Kin­der Got­tes“, sind wir „Töch­ter und Söh­ne Got­tes“, nicht weil wir ge­tauft sind, son­dern weil wir aus Sei­nem Geis­te zu le­ben ver­su­chen. Amen.

(P. Tho­mas Röhr OCT)

  1. Le­sung zum Hoch­fest der hl. Te­re­sa von Ávila

Aus dem Buch „Weg der Voll­kom­men­heit“ der hei­li­gen Te­re­sa von Ávi­la

„Vor al­lem möch­te ich die Kon­tem­pla­ti­ven vor Täu­schun­gen und Il­lu­sio­nen war­nen, de­nen sie häu­fig er­lie­gen.
Ist ihr kon­tem­pla­ti­ves Ge­bet echt, so ha­ben sie auch gro­ße Lie­be; wenn nicht, sind sie kei­ne Kon­tem­pla­ti­ven.
Die­se Lie­be kann sich in vie­len For­men äu­ßern, aber ein gro­ßes Feu­er wird im­mer stark leuch­ten. Ha­ben sie die­ses Feu­er der Lie­be nicht, so ist das ein Grund zu Furcht und Sor­ge. Sie müs­sen ver­su­chen her­aus­zu­fin­den, wor­an es liegt.
Dem soll­ten sie dann be­geg­nen durch Ge­be­te, durch sehr de­mü­ti­ges Ver­hal­ten und durch fle­hen­de Bit­te an den Herrn, er mö­ge sie nicht in Ver­su­chung führen.“

(CV 40, 4)

(zi­tiert aus: Te­re­sa von Ávi­la, „Ich bin ein Weib und oben­drein kein gu­tes“, Ein Por­trät der Hei­li­gen in ih­ren Tex­ten, Eri­ka Lo­renz, Her­der­bü­che­rei 1982, S. 69)