Pre­digt zu den Le­sun­gen vom 18. Sonn­tag im Jah­res­kreis – (02.08.2020)

(Jes 55, 1–3; Röm 8, 35.37–39; Mt 14, 13–21)

Pre­digt von P. Tho­mas Röhr OCT — Au­dio­ver­si­on

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,

es heißt: „Geld macht nicht glück­lich, aber es be­ru­higt!“ Mir scheint, dass das wirk­lich wahr ist. Wer Geld hat und wes­sen Le­ben halb­wegs ab­ge­si­chert ist, der kann sich leicht über die­sen Satz er­re­gen und auf je­ne Wer­te ver­wei­sen, die man nicht kau­fen kann. Aber die­se Über­zeu­gung be­zahlt kei­ne Mie­te, kein Es­sen, nicht die lau­fen­den Kos­ten, nicht nö­ti­ge An­schaf­fun­gen. Wer arm ist und nichts zu es­sen hat, wird ver­mut­lich, wenn er die Wahl zwi­schen ei­ner Bi­bel und 50 € hät­te, das Geld wäh­len. Und das wä­re nur ver­nünf­tig.
Wer noch nicht gänz­lich der Hab­gier er­le­gen und noch nicht von der Angst, zu kurz zu kom­men, zer­fres­sen ist, der spürt das Di­lem­ma, wie schwer es ist, zu ei­nem halb­wegs er­füll­ten Le­ben fin­den zu kön­nen.
Die bi­bli­schen Le­sun­gen heu­te, und da be­son­ders der Text des Pro­phe­ten Je­sa­ja, er­mu­ti­gen uns, we­nigs­tens im Be­zug auf Gott von al­ler Rech­ne­rei zu las­sen. Ich weiß nicht, war­um wir es so oft mit dem Ha­ben- und Be­sit­zen wol­len der­ma­ßen über­trei­ben?! Aber ein klein biss­chen kön­nen wir mit Got­tes Hil­fe doch ein paar an­de­re Schwer­punk­te set­zen. Lehrt uns das Co­ro­na nicht auch? Wie sehr seh­nen wir uns nach wirk­li­chem Mit­ein­an­der, da­nach, das gan­ze Ge­sicht ei­nes Men­schen se­hen zu dür­fen? Wie sehr er­freut mich ein mas­ken­lo­ses Ge­sicht beim Spa­zier­gang im Wald, das mich lä­chelnd grüßt! Wie sehr spü­re ich, dass die­ses frei­wil­li­ge und nicht ge­kauf­te La­chen mein Herz er­wärmt und über mei­ne See­le strei­chelt!
Viel­leicht ist es ein­fach mal gut wahr­zu­neh­men, wie arm uns die blo­ße Öko­no­mi­sie­rung al­ler Le­bens­be­rei­che macht. Es ist doch gar nicht viel nö­tig, um ein we­nig ge­schenk­tes Glück zu ver­brei­ten. Da reicht schon mal ein Lä­cheln, ein biss­chen mehr Ver­ständ­nis und Barm­her­zig­keit, Rück­sicht­nah­me, Auf­merk­sam­keit und Wert­schät­zung. Das kos­tet nichts, ist aber un­be­zahl­bar. Das Vi­rus ei­ner chro­ni­schen Un­zu­frie­den­heit und ewig, schlech­ter Lau­ne ist nicht nur ei­ne Ka­ta­stro­phe für den, den es be­fal­len hat. Es ist ei­ne Son­nen­fins­ter­nis für al­le, de­nen es zu­ge­mu­tet wird. Das aus­zu­hal­ten, kos­tet viel see­li­sche Kraft und En­er­gie, die dann wie­der für an­de­re fehlt.
Lasst uns al­so Gott dan­ken für das Ge­schenk jeg­li­cher Lie­be und Zu­nei­gung. Lasst uns ihn bit­ten, dass uns die Kraft und Freu­de da­zu sel­ber ge­schenkt ist. Das will uns Gott im­mer wie­der sa­gen und ganz um­sonst schen­ken. Da­zu will er uns im­mer wie­der er­mu­ti­gen. Denn das wird uns und an­de­re im­mer wie­der neu im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes auf­le­ben las­sen. Amen.

P. Tho­mas Röhr OCT