Pre­digt zum 28. Sonn­tag im Jah­res­kreis A (11.10.2020)

(Jes 25, 6–10a; Phil 4, 12–14.19–20; Mt 22, 1–14)

Pre­digt von P. Tho­mas Röhr OCT — Au­dio­ver­si­on

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,

wie schon oft ge­sagt, ha­ben die 1. Le­sung und das Evan­ge­li­um meis­tens ei­nen ge­mein­sa­men Be­zugs­punkt. Das ist heu­te ein Fest­mahl. Da­bei klingt so­gar der Text aus dem Buch Je­sa­ja fro­her als das Evan­ge­li­um des Mat­thä­us. Manch­mal scheint es fast, als gin­gen mit Mat­thä­us „die Pfer­de durch“, weil es ihm schein­bar schwer fiel zu ver­ste­hen, war­um die Ho­hen­pries­ter und die Äl­tes­ten des Vol­kes, al­so die re­li­giö­se Eli­te, nicht zum Glau­ben an Je­sus fan­den. Au­ßer­dem scheint es, dass man mit der Wei­te und Groß­zü­gig­keit Got­tes, der am En­de un­ter­schieds­los al­le zum Fest ein­lädt, nicht gut klar kam, weil ver­mut­lich spä­ter noch der Pas­sus vom Hoch­zeits­ge­wand in die­ses Gleich­nis ein­ge­fügt wur­de. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass über­haupt je­mand ein Hoch­zeits­ge­wand an­hat­te, wo doch nie­mand am Mor­gen des Ta­ges vor­hat­te, an ei­ner Hoch­zeit teil­zu­neh­men. Je­den­falls ist die Re­ak­ti­on des Kö­nigs auf den ei­nen oh­ne Hoch­zeits­ge­wand hart und be­ängs­ti­gend. Aber das wird auf je­den Fall all je­nen ge­fal­len, die sich Mü­he ge­ben und so­wie­so der Mei­nung sind, dass nichts wert ist, was nichts kos­tet. Ich ver­ste­he das ja auch. Aber Je­su Lie­be für sog. „Zöll­ner und Sün­der“ ist eben auch über­lie­fert. Und sie ver­weist auf ei­ne Lie­be, die nicht ver­dient wer­den kann und muss.

At­met der Text des Je­sa­ja nicht auch je­ne Wei­te und je­nen Geist, wie wir es bei Je­sus se­hen? Da ist auch nicht nur ein aus­er­wähl­tes Volk, son­dern da sind al­le Völ­ker ge­la­den. Gast­ge­ber ist Gott sel­ber, und er bleibt die han­deln­de Haupt­per­son. Die Völ­ker tun erst­mal nichts.
Die Vi­si­on des Je­sa­ja ist hoch ak­tu­ell, weil die gött­li­che Glo­ba­li­sie­rung ei­ne Völ­ker­ge­mein­schaft ver­sam­melt, die in Frie­den un­ter der Schirm­herr­schaft Got­tes zu­sam­men­kommt. Gott nimmt hin­weg die Hül­len und De­cken, die Miss­trau­en und Krie­ge pro­vo­zie­ren. Gott ist es, der die Trä­nen von je­dem Ge­sicht ab­wischt, auch von den Ge­sich­tern der Vie­len, die ver­bor­gen ih­re Trä­nen ver­gos­sen ha­ben. Vor al­lem aber ist der Tod ver­schlun­gen, weil für im­mer das Le­ben Got­tes tri­um­phiert. Und die ei­nen ha­ben im­mer auf Gott ge­hofft, die an­de­ren ha­ben sich viel­leicht im­mer da­nach ge­sehnt, oh­ne da­bei an Gott zu den­ken. Auf je­den Fall steht hier bei Je­sa­ja am En­de nicht für man­che „äu­ßers­te Fins­ter­nis, Heu­len und Zäh­ne­knir­schen“, son­dern für al­le Ju­bel und Freu­de „über sei­ne ret­ten­de Tat” (Jes 25, 9).
Mö­ge un­ser per­sön­li­cher und ge­mein­schaft­li­cher Glau­be schon jetzt im­mer wie­der mal Ju­bel und Freu­de über die­sen Gott sein!

P. Tho­mas Röhr OCT