Pre­digt zum 5. Sonn­tag der Os­ter­zeit (10.05.2020)

(Joh 14,1–12)

Pre­digt zum 5. Sonn­tag der Os­ter­zeit von P. Tho­mas OCD

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,
Der ers­te Vers des heu­ti­gen Evan­ge­li­ums ist wie ein Trost­wort und zu­gleich ei­ne Pro­gramm­aus­sa­ge für un­se­re ge­gen­wär­ti­ge Zeit: „Eu­er Herz las­se sich nicht ver­wir­ren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Joh 14,1)
Na­tür­lich gibt es im­mer Vie­les, was un­ser Herz ver­wirrt, vor al­lem die den­ken­de Sei­te un­se­res Her­zens. Denn im bi­bli­schen Ver­ständ­nis ist das Herz auch ein Denk­or­gan. In Ab­wand­lung des be­rühm­ten Zi­ta­tes aus dem „Klei­nen Prin­zen“ von An­toi­ne de Saint-Exu­pery „Man sieht nur mit dem Her­zen gut“, könn­te man auch sa­gen: „Man denkt nur mit dem Her­zen gut“. Frei­lich müs­sen auch hier die gu­ten Sei­ten des Her­zens stär­ker sein als die we­ni­ger gu­ten. Wenn es al­so heu­te heißt, „eu­er Herz las­se sich nicht ver­wir­ren“, dann war das mit der Ver­wir­rung wohl im­mer ein Pro­blem. Denn auf der ei­nen Sei­te ste­hen manch­mal glat­te Glau­bens­sät­ze und un­hin­ter­frag­te Glau­bens­ge­wiss­hei­ten. An­der­seits aber ste­hen da die krum­men We­ge des Le­bens und Er­fah­run­gen, die un­se­re ver­meint­li­chen Ge­wiss­hei­ten über den Hau­fen wer­fen. Das schafft ge­ra­de in be­son­de­rer Wei­se ein klit­ze­klei­nes Et­was, das „Vi­rus“ ge­nannt wird.
In der Re­gel sind wir kei­ne Welt­meis­ter von Ver­än­de­rungs­be­geis­te­rung. Wir sind eher „Ge­wohn­heits­tie­re“, wie man so sagt, weil Ge­wohn­tes be­ru­higt, aber zu­gleich auch klei­ne Ge­fäng­nis­se für un­se­re blei­ben­den und oft ver­bor­ge­nen Ängs­te ist, die wir ger­ne kon­trol­liert ha­ben möch­ten. Ei­ne Pan­de­mie ist aber wie ein Ge­fäng­nis­aus­bruch un­se­rer Ängs­te, die sich nicht ger­ne kon­trol­lie­ren und ein­sper­ren las­sen. Ob wir wol­len oder nicht, wir müs­sen mit ih­nen le­ben. Auch sie brau­chen ei­ne Woh­nung in un­se­rem Le­bens­haus, in dem sie sein und ei­nen Platz ha­ben dür­fen. Dann blo­ckie­ren sie viel­leicht nicht so sehr das Den­ken un­se­res Her­zens. Wie aber kann das ge­sche­hen? Mal ab­ge­se­hen da­von, dass al­le Ar­ten von Le­bens­zu­wäch­sen ein un­ver­dien­tes Wun­der sind, heißt es ja im heu­ti­gen Evan­ge­li­um wei­ter: „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Wenn es ir­gend-et­was gibt, was es mit un­se­ren Ver­wir­run­gen und Ängs­ten auf­neh­men kann, dann ist es das Ver­trau­en in den Gott der Lie­be, die in Je­sus Hand und Fuß, ein Herz und ein Ge­sicht be­kom­men hat. Klar, über Gott kann man al­les Mög­li­che den­ken und sa­gen, und wie oft sagt das mehr über den, der was sagt, als wirk­lich über das Ge­heim­nis Got­tes. Dar­um fragt ja Phil­ip­pus in un­ser al­ler Na­men: „Herr, zeig uns den Va­ter, das ge­nügt uns“ (V8). Es ge­nügt eben nicht, dies und das über Gott zu wis­sen, weil es in den Ver­wir­run­gen des Le­bens al­lein nicht wirk­lich trägt.
Je­sus ant­wor­tet: „Wer mich ge­se­hen hat, hat den Va­ter ge­se­hen“ (V9). Man könn­te auch sa­gen: „Wer mei­ne Lie­be ge­se­hen hat, hat den Va­ter ge­se­hen!“ Und Je­sus war ein Lie­bes­ver­rück­ter, der re­li­giö­se Sys­te­me er­schüt­tert und ver-rückt hat, da­mit sich un­ser Glau­be, un­ser Ver­trau­en, auf das stützt, bes­ser auf DEN stützt, der wirk­lich in al­ler Not tra­gen kann. Und so dür­fen al­le Lie­ben­den sa­gen: „Wer mich sieht, sieht den Va­ter!“, ob es nun ei­ne Mut­ter, ein Va­ter, ein Kind, ein Ju­gend­li­cher, ein Opa oder ei­ne Oma sind.
Re­la­ti­vie­ren wir da­mit die Be­deu­tung Je­su? Nein, denn es heißt doch auch: Wo Lie­be, da ist Gott (1 Joh 4). Das hat Je­sus deut­lich ge­macht, da­für ist er ge­stor­ben. Das will uns al­so heu­te ins Herz ge­sagt sein: „Eu­er Herz las­se sich nicht ver­wir­ren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Es lohnt sich, nicht nur am Mut­ter­tag, dar­über mit und in sei­nem Her­zen nach­zu­den­ken. Amen.

Eu­er / Ihr

P. Tho­mas OCD