Pre­digt zum 7. Sonn­tag der Os­ter­zeit (24.05.2020)

(Apg 1,12–14; Ps 27,1.4.7–8; 1 Petr 4,13–16; Joh 17,1–11a)

Pre­digt zum 7. Sonn­tag der Os­ter­zeit von P. Tho­mas OCD

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,

die Zeit zwi­schen Him­mel­fahrt und Pfings­ten ist ei­ne be­son­de­re Zeit des Ge­be­tes um den Hei­li­gen Geist und wird auch „Pfingst­no­ve­ne“ ge­nannt. An ei­ne sol­che Zeit des Ge­be­tes er­in­nert heu­te die ers­te Le­sung aus der Apos­tel­ge­schich­te: „Sie al­le ver­harr­ten dort ein­mü­tig im Ge­bet.“ (Apg 1,14). Für die nach­fol­gen­den Chris­ten­ge­nera­tio­nen wird es nicht un­er­heb­lich ge­we­sen sein, wer da al­les zum Ge­bet ver­sam­melt war.

Lu­kas scheint die Apos­tel zu be­vor­zu­gen, denn sie zählt er na­ment­lich auf. Die Frau­en, au­ßer Ma­ria, die Mut­ter Je­su, blei­ben na­men­los. War­um das so ist, bleibt das Ge­heim­nis des Lu­kas, ob­wohl er in der Os­ter­ge­schich­te (Lk 24, 1–12) die wich­ti­gen Frau­en auf­zählt: Ma­ria von Mag­da­la, Jo­han­na und Ma­ria, die Mut­ter des Ja­ko­bus und die üb­ri­gen Frau­en. In die­ser Os­ter­ge­schich­te sind die Apos­tel na­men­los und ma­chen auch sonst kei­ne gu­te Fi­gur, als die Frau­en als Apos­to­lin­nen der Apos­tel im Na­men des Auf­er­stan­de­nen von Os­tern kün­den. Da hiel­ten die Apos­tel die Bot­schaft der Frau­en noch für Ge­schwätz und glaub­ten ih­nen nicht (LK 24,11). Erst der Auf­er­stan­de­ne selbst schenkt ih­nen den Glau­ben, den er in al­len zu al­len Zei­ten wir­ken muss.

Zu­min­dest in die­ser ge­mein­sa­men Er­fah­rung ge­schenk­ten Glau­bens sind vie­le Jün­ge­rin­nen und Jün­ger zu­sam­men, um auf die „Kraft aus der Hö­he“ (Lk 24, 49) zu war­ten. Es ist wich­tig, im­mer wie­der neu her­aus­zu­stel­len, dass Män­ner und Frau­en auf die Ga­be des Hei­li­gen Geis­tes war­te­ten und Pfings­ten al­le die­se Män­ner und Frau­en mit der Kraft des Hei­li­gen Geis­tes er­füllt wur­den, nicht nur, und schon gar nicht in be­son­de­rer Wei­se, die na­ment­lich ge­nann­ten Apos­tel. Dar­um soll­te nicht nur Ein­mü­tig­keit im Ge­bet, son­dern auch Ein­mü­tig­keit im ge­mein­sa­men Emp­fang des Hei­li­gen Geis­tes be­stehen. Denn das er­for­dert dann eben­so ein ge­mein­sa­mes Hö­ren auf die Stim­me des Geis­tes, der nicht nur in und aus ge­weih­ten Amts­trä­gern spricht. Das Auf­ein­an­der­hö­ren und Wert­schät­zen der Ge­gen­wart des Hei­li­gen Geis­tes in uns al­len könn­te vie­le, krea­ti­ve In­itia­ti­ven be­flü­geln, da­mit „Kir­che“ nicht ein abs­trak­ter Be­griff ist oder gar nur be­stimm­te Per­so­nen­grup­pen meint, son­dern ei­ne Ge­mein­schaft von Frau­en und Män­nern, von Kin­dern und Ju­gend­li­chen, Jun­gen und Al­ten, die sich für Gott, sei­ne Men­schen, sei­ne Ge­schöp­fe und sei­ne gan­ze Welt in Lie­be be­geis­tern las­sen.

Oh­ne­hin sucht und be­wegt Gott im­mer wie­der Men­schen, der Welt in al­len sei­nen Di­men­sio­nen ein mensch­li­ches und lie­be­vol­les Ge­sicht zu ver­lei­hen.
Das kön­nen die, die ver­su­chen, aus dem Ge­heim­nis Got­tes zu le­ben, nur, wenn sie selbst für Got­tes Ge­heim­nis of­fen blei­ben, nicht auf­hö­ren, sein An­ge­sicht zu su­chen, wie es sehr schön im heu­ti­gen Ant­wort­psalm heißt (Ps 27, 8). „Sein An­ge­sicht zu su­chen“, heißt, ihn nicht in der Ta­sche fer­ti­ger Ant­wor­ten zu ha­ben, heißt, ihm zu er­lau­ben, im­mer grö­ßer sein zu dür­fen, als das, was von ihm ge­wusst und er­fah­ren wor­den ist.
Für ei­nen je­den von uns will er Heil, Zu­flucht un­se­res Le­bens, sein, ge­ra­de auch in al­lem, was uns fürch­ten und ban­ge sein lässt. Wenn das wie­der neu zu ei­ner be­glü­cken­den Er­fah­rung wird, dann ist un­ser Glau­be le­ben­dig und an­ste­ckend.
„Im Haus zu woh­nen al­le Ta­ge mei­nes Le­bens“ (V4) be­deu­tet, Sein „ICH BIN DA“ nicht zu ver­lie­ren, sich dar­in ge­bor­gen zu wis­sen. „Die Freund­lich­keit des Herrn zu schau­en“, ist so tröst­lich, weil ja schon die Freund­lich­keit ei­nes Men­schen das Herz so froh und leicht macht. Das al­les sind Ga­ben des Hei­li­gen Geis­tes, um die wir al­le ein­mü­tig im Ge­bet in die­sen Ta­gen vor Pfings­ten und über­haupt bit­ten soll­ten.
Für vie­le ist die „Kraft aus der Hö­he“ ge­ra­de­zu exis­ten­ti­ell in die­sen Ta­gen. Ich wün­sche sie mir und uns, da­mit wir mit­ein­an­der und für­ein­an­der un­ter­wegs blei­ben in Glau­be, Hoff­nung und Lie­be. Amen.

1 Der Herr ist mein Licht und mein Heil: *
Vor wem soll­te ich mich fürch­ten?
Der Herr ist die Zu­flucht mei­nes Le­bens: *
Vor wem soll­te mir ban­gen?
4 Ei­nes ha­be ich vom Herrn er­fragt, die­ses er­bit­te ich: *
im Haus des Herrn zu woh­nen al­le Ta­ge mei­nes Le­bens;
die Freund­lich­keit des Herrn zu schau­en *
und nach­zu­sin­nen in sei­nem Tem­pel.
7 Hö­re, Herr, mei­ne Stim­me, wenn ich ru­fe; *
sei mir gnä­dig und gib mir Ant­wort!
8 Mein Herz denkt an dich: „Su­chet mein An­ge­sicht!“ *
Dein An­ge­sicht, Herr, will ich su­chen.

Ps 27 (26), 1.4.7–8, Ein­heits­über­set­zung 2016

Ihr / eu­er P. Tho­mas OCD