Pre­digt zum Evan­ge­li­um vom 17. Sonn­tag im Jah­res­kreis – A2020 (26.07.2020)

(1 Kön 3, 5.7–12;Röm 8, 28–30; Mt 13, 44–52)

Pre­digt von P. Tho­mas Röhr OCT — Au­dio­ver­si­on

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,

wir sa­gen manch­mal, dass wir wie im sieb­ten Him­mel sind. Wann sa­gen wir das? Wir sa­gen das, wenn wir ver­liebt sind, wenn wir tol­le Er­leb­nis­se hat­ten, wenn wir Glück hat­ten, wo wir nicht da­mit ge­rech­net ha­ben, wenn man un­ter der Du­sche steht oder in der Ba­de­wan­ne liegt nach ei­nem an­stren­gen­den und schweiß­trei­ben­den Tag. Da gibt es so vie­les, was uns wie im sieb­ten Him­mel sein las­sen kann. Ist aber ei­ner von uns wie im sieb­ten Him­mel, weil er Gott ge­fun­den hat? Die meis­ten von uns sind in die Kir­che als Ba­by hin­ein­ge­tauft wor­den. Gott ha­ben wir da­mit noch nicht ge­fun­den. „Him­mel­reich“ steht für Got­tes Nä­he und Lie­be. Es kann sein, dass vie­le in den Re­li­gio­nen streng gläu­big sind, be­son­ders je­ne, die de­ren Re­prä­sen­tan­ten sind. Aber die Freu­de über ei­nen ge­fun­de­nen Schatz steht ih­nen nicht un­be­dingt ins Ge­sicht ge­schrie­ben. Man­che Här­te, En­ge und Fins­ter­nis las­sen nicht viel Gu­tes er­ah­nen.
Klar, man er­war­tet von Pro­fichris­ten, dass für sie al­les klar ist, dass sie ei­nem sa­gen, wo es im Na­men Got­tes lang geht. Aber wo ist in Got­tes Na­men die ganz per­sön­li­che Got­tes­be­zie­hung, die Er­fah­rung der Freu­de, ei­nen Schatz im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes im Her­zen und im Le­ben ge­fun­den zu ha­ben? Wä­re es nicht ehr­li­cher, über­zeu­gen­der und wahr­haf­ti­ger zu be­ken­nen, dass wir oft und ei­gent­lich im­mer wie­der Su­chen­de sind? Für Pro­fichris­ten ist es be­son­ders schwer, zu die­ser Wahr­heit zu ste­hen, weil sie selbst und an­de­re an­de­res er­war­ten.
Manch ei­ner will es durch Ver­zicht er­zwin­gen, ver­kauft al­les, oh­ne vor­her die Freu­de ei­nes ent­deck­ten Schat­zes er­lebt zu ha­ben. Tau­fe, Kir­chen­mit­glied­schaft, lan­ge Tra­di­tio­nen, Wei­hen oder Äm­ter ga­ran­tie­ren nicht, dass man ge­fun­den und er­fah­ren hat. So, wie je­de Lie­be, die die­sen Na­men ver­dient, ein wun­der­ba­res Ge­schenk ist, so sind es auch der Glau­be und die Freu­de über ei­nen Gott, der uns über­all und in al­lem na­he sein möch­te. Kei­ner hat sich Lie­be oder Glau­be ver­dient. Die Sehn­sucht nach tra­gen­den und froh­ma­chen­den Grün­den eint uns Men­schen und Ge­schöp­fe. Eben­so die Freu­de und Dank­bar­keit, wenn wir fin­den durf­ten. Mö­ge uns die­se Er­fah­rung ge­schenkt sein und tief mit Gott, un­ter­ein­an­der und mit der gan­zen Schöp­fung ver­bin­den. Amen.

P. Tho­mas Röhr OCT