Pre­digt zum Pa­tro­nats­sonn­tag 2020 (18.10.2020)-Hl. Te­re­sa von Ávi­la, 15.10.

(Buch der Klos­ter­stif­tun­gen 5, 5–7, sie­he un­ten; Röm 8, 14–17; Joh 14, 23–26)

Pre­digt von P. Tho­mas Röhr OCT — Au­dio­ver­si­on

Lie­be Schwes­tern und Brü­der,

es ist Tra­di­ti­on, dass wir am Pa­tro­nats­sonn­tag zur 1. Le­sung ei­nen Text aus den Schrif­ten der hl. Te­re­sa von Ávi­la neh­men. Dass Gott auch „zwi­schen den Koch­töp­fen um­her­geht“, ist ein viel zi­tier­ter Spruch von ihr. Und er soll­te eben auch al­le trös­ten, die nicht im Klos­ter le­ben und de­nen der Lu­xus von ge­schenk­ten Ge­bets­zei­ten nicht zur Ver­fü­gung steht. Ins­ge­heim den­ken wir doch et­was leis­tungs­ori­en­tiert, dass Leu­te im Klos­ter nä­her an Gott dran sind, weil sie viel mehr Zeit mit Ge­bet ver­brin­gen kön­nen. Auch wird im­mer wie­der be­wun­dert, wenn man Leu­te öf­fent­lich in­ten­siv be­ten sieht. Das al­les ist si­cher­lich nicht schlecht. Wir al­le wis­sen ja, wie nö­tig im All­tag wir im­mer wie­der Aus­zei­ten brau­chen, um uns nicht zu ver­lie­ren und un­se­re Mit­te wie­der­zu­fin­den.
Das 2. Tes­ta­ment schil­dert die Pra­xis Je­su, sich früh­mor­gens, wenn al­le noch schlie­fen, in die Stil­le zu­rück­zu­zie­hen. Aber geht es nicht vie­len wie Te­re­sa, die we­gen des Man­gels an Zeit zum in­ner­li­chen Ge­bet sehr be­trübt war? Te­re­sa wä­re die letz­te, die sa­gen wür­de, wir bräuch­ten kei­ne be­son­de­ren Zei­ten zum in­ner­li­chen Ge­bet. Aber wie der Be­griff „in­ner­li­ches Ge­bet“ schon be­sagt, war für Te­re­sa Be­ten nicht ei­ne Fra­ge von Tex­ten und be­son­de­ren Ge­bets­me­tho­den, son­dern ei­ne dau­ern­de Freund­schafts­be­zie­hung mit Gott bzw. mit Je­sus. Wie im Evan­ge­li­um heu­te zu le­sen ist, hat der drei­fal­ti­ge Gott sei­ne Woh­nung in uns. Wir sind al­so sel­ber ein wan­deln­des Got­tes­haus. „Geist­li­ches Le­ben“ heißt eben nicht zu­erst, ein geist­li­ches Pro­gramm zu ab­sol­vie­ren, son­dern sich von Got­tes Geist lei­ten zu las­sen, wie wir bei Pau­lus heu­te an die Rö­mer le­sen. Die­ser Geist Got­tes wird mich im­mer wie­der zu dem drän­gen, was ei­ne Hal­tung der Lie­be in mir wach­sen lässt, und zwar nicht nur an­de­ren, son­dern auch mir selbst ge­gen­über. Ich kann näm­lich auch zwi­schen den Koch­töp­fen ei­nen Ner­ven­zu­sam­men­bruch be­kom­men, wenn ich dem Be­dürf­nis mei­ner See­le nicht nach­kom­me, wie Je­sus mir Zei­ten der Stil­le und des Rück­zugs für mich zu neh­men. Das aber muss ich nicht als und wie ein Mönch oder ei­ne Non­ne, wenn ich in ei­ner Fa­mi­lie oder in ei­ner an­de­ren Le­bens­form le­be. Gott hat mit je­dem ein­zel­nen Men­schen sei­ne ganz ei­ge­ne Be­zie­hung. Die zu fin­den und zu le­ben ist ge­ra­de­zu not-wen­dig. Aber Gott ist mir in je­dem Fall zwi­schen den Koch­töp­fen nicht we­ni­ger nah als dem, der ge­ra­de ei­ne Nacht­an­be­tung hält. Da Gott al­so in­nen und au­ßen bei uns ist, wie die hl. Te­re­sa sagt, bin ich je­der­zeit und an al­len Or­ten mit Ihm ver­bun­den. Das sagt uns die hl. Te­re­sa heu­te zum Trost.
Wenn uns dies al­so mit Got­tes Hil­fe zur Er­fah­rung wird, dann wächst un­se­re Lie­be eben auch zwi­schen den Koch­töp­fen, in den Ge­bets­zei­ten, in der S‑Bahn, oder wo auch im­mer wir ge­ra­de sind, was im­mer wir auch ge­ra­de tun. Dies mö­ge uns ein biss­chen oder auch mehr Frie­den ge­ben. Und wenn uns das al­les et­was müh­se­lig ist oder es uns nicht gleich rich­tig ge­lingt, dann sagt uns Gott das ins Herz, was am En­de des heu­ti­gen Evan­ge­li­ums steht: „Eu­er Herz be­un­ru­hi­ge sich nicht und ver­za­ge nicht!“ Ich bin ja trotz­dem da. Amen.

P. Tho­mas Röhr OCT

Aus dem Buch der Klos­ter­stif­tun­gen der hl. Te­re­sa von Ávi­la

†Ich selbst war we­gen des Man­gels an Zeit zum in­ner­li­chen Ge­bet sehr be­trübt, auch hat­te ich Mit­leid mit an­de­ren, die ich stän­dig an der Ar­beit sah, im­mer­fort mit den ih­nen auf­ge­tra­ge­nen Din­gen be­schäf­tigt. Ich dach­te bei mir und sprach auch da­von, dass sie bei sol­cher Un­rast un­mög­lich im geist­li­chen Le­ben vor­an­kom­men könn­ten.
O Herr, wie ver­schie­den sind doch dei­ne We­ge von un­se­ren Mei­nun­gen. Du ver­langst von ei­nem Men­schen, der ent­schlos­sen ist, dich zu lie­ben und sich dir zu über­las­sen, wei­ter nichts, als dass er sich gut in das hin­ein­fin­det, was du ihm auf­trägst!
Denkt al­so dar­an, dass der Herr auch in der Kü­che zwi­schen den Koch­töp­fen um­her­geht und dass er in­nen und au­ßen bei euch ist.

(Buch der Klos­ter­stif­tun­gen 5, 5–7)